Ein Gitarren-Verstärker klingt erst  richtig groß, wenn er richtig laut spielt und mit einem Mikro aufgenommen wird. Soweit, so gut. Aber wie soll man dann einen Amp zuhause oder im Proberaum nach dieser Maßgabe halbwegs perfekt aufnehmen? Mithilfe einer Impulse Response (Abkürzung IR) in der Nachbearbeitung geht es, funktioniert in jeder DAW kostenlos und bietet beim Einspielen trotzdem das Spielgefühl eines echten Amps.

Die unbearbeiteten Spuren aus dem Video findest Du übrigens als Mitglied (BASIS und PREMIUM) unter diesem Link:

Ziehe die Aufnahmen nach dem extrahieren des Paketes einfach in Deine DAW (154 bpm) und folge der Anleitung etwas weiter unten im Artikel.

Warum Amp leise aufnehmen?

Es gibt verschiedenste Gründe, einen Amp leise aufzunehmen. Die meisten wohnen zum Beispiel nicht allein, sondern müssen speziell Abends, aber vor allem Nachts Rücksicht auf Mitbewohner und Nachbarn nehmen. Oder der Amp ist so laut, dass er schon fast gesundheitsschädlich ist, aber aus Platzgründen bei der Aufnahme im selben Raum stehen muss (z.B. kleine Mietwohnung). Oder man kann den Amp im Proberaum zwar anmachen, aber mit Rücksicht auf die Mitmusiker nicht so aufdrehen, dass eine Aufnahme übers Mikro wirklich gut klingt.

Warum Amp und nicht PlugIn?

Ein Verstärker bietet – wie jeder Gitarrist bestätigen wird – ein deutlich direkteres und damit besseres Spielgefühl. Ist ja logisch, denn bis der Gitarrensound in der DAW landet und mit einem per PlugIn simuliertem Amp-Sound wieder am Ohr ankommt, vergehen einfach locker 5 – 10 ms, die bei einem echten Verstärker einfach nicht anfallen. Oft dauert es noch länger, was es gerade bei stark rhythmischem Spiel nicht einfacher macht.

Warum ohne Mikro aufnehmen?

Die Aufnahme eines Amps ohne Mikro ist nicht trivial. Mikro davor stellen und aufnehmen ist nicht, denn die Wahrscheinlichkeit dass es dann sofort klasse klingt ist im Bereich eines Lottogewinns. Um bestmöglich mit Mikro und Amp aufzunehmen sollte man sich Zeit nehmen, Positionen und bestenfalls auch verschiedene Mikros ausprobieren und dann an bestmöglicher Position aufnehmen. Das scheitert oft an vielen Faktoren: mangelnde Zeit, ohne Hilfe schwer umsetzbar, keine Erfahrung, keine Geduld, keine Mikros, uvm. .

Mic-Bleed adé!

Gerade im Proberaum hat das Aufnehmen ohne Mikro aber noch einen weiteren Vorteil: Nimmst Du ohne das Medium Luft und Mikro auf, kannst Du Dir darüber auch keine Einstreuungen von den Kollegen von Gitarre, Bass oder Schlagzeug einfangen. Mit anderen Worten das aufgenommene Signa ist frei von Stör-Signalen und damit deutlich einfacher im Mix einzusetzen, als herkömmliche Proberaum-Aufnahmen!

Impulse Response statt Mikro und Speaker

Es gibt also eine Menge Vorteile, einen Amp leise und ohne Mikro aufzunehmen, schauen wir uns daher mal den normalen Signalweg einer Gitarrrenaufnahme genauer an.  Der Weg des Sounds bei der Amp-Aufnahme ist ja klar: Gitarre ->  Kabel -> Amp-Vorstufe -> Amp-Endstufe -> Lautsprecher -> Luft->- Mikro -> Audio-Interface -> DAW.

Speziell der Bereich zwischen Vorstufe und Interface ist derjenige, der den eigentlichen “Radau” verursacht. Ein guter Grund also für eine Aufnahme ohne Mikro genau hier anzusetzen. Wenn man das Signal vor der Endstufe abgreift und direkt in die DAW leitet, müsste es doch auch gehen, oder? Es gibt zum Beispiel die Möglichkeit den Amp-Sound direkt im Amp am Einschleifweg per Send oder bei einem möglicherweise vorhandenem LineOut abzugreifen.

Line Out Ausgang beim Fender Champ 12

Line Out beim Fender Champ 12 aus den späten 1980er Jahren

Impulse Response, ein akustischer Fingerabdruck

Das geht auch, klingt nur ganz fürchterlich, da Endstufe und vor allem Speaker einen immensen Einfluss auf den Sound des Verstärkers hat. Nicht ohne Grund ist allein schon die Herausforderung den passenden Speaker zum Amp zu finden eine Kunst für sich. Aber gerade beim Speaker können wir im Rahmen einer leisen Aufnahme des direkten Vorstufen-Signals  und der Reproduktion eines echten Amp-Sounds ansetzen. Dazu braucht man übrigens  auch nicht unbedingt einen ganzen Verstärker, es reicht auch ein Verzerrer-Pedal oder eine reine Vorstufe.

Der Schlüssel hierzu sind Plugins, die so genannte IRs, also Impuls Antworten in “echten” Sound umrechnen können.Jede halbwegs aktuelle DAW hat so ein PlugIn bereits mit an Bord.

Lautsprecher in einer Mini-Datei

IRs (englisch Impulse Response) sind akustische Fingerabdrücke, die man zumeist aus dem Bereich der Hall-Räume kennt. Ich habe hier zum Beispiel schon mal gezeigt, wie man seinen eigenen Hall in einer Tiefgarage aufnehmen kann. Diese charakteristischen akustischen Fingerabdrücke gibt es aber auch von Gitarren-Speakern. Und wenn man diese auf ein bisher Speaker-loses Signal anwendet, erhält man wieder einen kompletten Amp-Sound.

Und da es im Internet Unmengen an kostenlosen Lautsprecher-IRs zum Download gibt, bekommt man damit auch gleichzeitig Zugriff auf die verschiedensten Sounds aus unendlich vielen Lautsprecher / Gehäuse-Kombinationen frei Haus. Da ist von der 1×8″ – bis zur 4×12″ alles dabei. Und auch alles dazwischen!

Die Suchmaschine ist Dein Freund

Gib einfach mal bei einer gängigen Suchmaschine “Impulse Response Guitar Cabinet Free” ein und schon bekommst Du jede Menge kostenlose IRs angeboten, die es nur noch einzusammeln und auszuprobieren gilt. Es gibt übrigens durchaus auch einen kommerziellen Markt für gute Ins, zum Ausprobieren sind aber die kostenlosen mehr als ausreichend. Ein gutes Set findest Du zum Beispiel gegen eine kostenlose Registrierung auch hier, bei Forward Audio!

Und so funktioniert’s

Nachdem Du also per Line-Out oder auch Send Deinen Amp, Deine Vorstufe oder Deinen Bodentreter aufgenommen hast (klingt schlimm, aber da muss man durch), lädst Du in den Kanalzug das IR-PlugIn Deiner DAW und ziehst nun einfach die Datei einer IR direkt aus dem Finder/Explorer per Drag-and-Drop auf das PlugIn.

IR-Plugin Open Air aus Studio One mit geladener IR

IR-Plugin Open Air aus Studio One mit IR á la Black hole sun

Schon wird Deine ursprünglich schaurige Aufnahme durch den virtuellen Speaker gejagt und klingt fortan so, wie die ursprüngliche Box auch geklungen hat. Und welche Sounds noch so in Deiner Aufnahme schlummern, erfährst Du, indem Du  einfach noch mehrere Ins ausprobierst, bis Dir eine gefällt – fertig!

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