Neulich habe ich in einem Video gezeigt, was ein Mic-PreAmp besser kann als das günstige Gegenstück im Audio-Interface. Daraufhin bekomme ich immer wieder die Frage gestellt, wie man so einen Preamp denn mit dem Audio-Interface verkabelt? Und auch wenn ich immer dachte, dass dies eigentlich selbsterklärend sein sollte, ist mir bei der Erstellung des aktuellen Videos dann doch aufgefallen, dass es den ein oder anderen Stolperstein dabei gibt.

Einfache Regel beim Mic-Preamp verkabeln

Bei der Verkabelung von Audio-Komponenten kann man fast immer eine einfache Regel anwenden: Das Signal kommt irgendwo rein und muss auch irgendwo wieder raus. Beim Mikrofon spricht man oben rein, und das Signal komt unten am XLR-Anschluss raus. Dort geht es ins Mikro-Kabel rein und das schließt man am Input (Eingang) vom Mic-PreAmp an.

Hold the Line

Dort wird das Signal auftragsgemäß verstärkt, also muss es anschließend irgendwo wieder rauskommen. Meistens ist das der Output oder Line-Out. Die Bezeichnung „Line“ macht aber schon klar, dass es sich anscheinend um einen speziellen Ausgang handelt. Und das ist auch richtig. Denn nach der Verstärkung des schwachen Mikrofon-Signals wird das Signal mit einem sehr hohen Pegel am Line-Out zur Verfügung gestellt.

Dies geschieht zum einen, da das Verstärken des schwachen Signals ja die Hauptaufgabe des Vorverstärkers ist. Zum anderen aber auch, weil die Signalübertragung mit hohen Pegeln und damit mit hohen Strömen deutlich weniger anfällig gegen störende Einflüsse und Einstreuungen im Studio ist. Mit anderen Worten man fängt sich weniger Brummen und Rauschen ein, wenn das Signal mit höherem Pegel weitergeleitet wird.

Rein und wieder raus

Das Signal steht also am Line-Out an und muss nun in den passenden Eingang am Audio-Interface. Im Idealfall hat das Audio-Interface das passende Gegenstück zum Line-Out, einen Line-In (oder Line Input). Dann werden die beiden miteinander verbunden und fertig. Kompakte Mini-Interfaces der neuesten Generation bieten allerdings oft so genannte Kombi-Buchsen, also Anschlüsse, an die sich verschiedene Signal anschließen lassen.

Im besten Fall kann man den Eingang auf Line umstellen, denn dann kann dieser Eingang ohne Probleme und unnötige Verzerrungen die höheren Ströme des Line-out vom Mic-Preamp verarbeiten. Gibt es keinen Line-In, kann man alternativ versuchen, den Mic-PreAmp an den Mikrofon-Eingang des Interfaces anzuschließen. Dazu sollte man aber angesichts des hohen Ausgangspegels des PreAmps den Input-Regler ganz nach links drehen und (!) den PAD (Pegel-Abesnkung) aktivieren, die meist auch noch mal eine Absenkung um weitere 10 db ermöglicht.

+4dbu vs -10dbV

Zudem kann man am Line-out des PreAmps oft auch noch den Ausgangspegel des PreAmps mit einem Schalter von Studio-Level +4dbu (entspricht 1,226 V) auf Consumer-Level -10dbV (entspricht 0,336 V) umstellen. Ist das Signal für den Eingang am Audio-Interface also immer noch „zu heiß“ (übersteuert), lohnt es sich mal von +4dbu auf -10dbV umzustellen.

Kein Line-In? Kein Problem!

Sollte das alles nicht fruchten, kann man zur Not noch eine DI-Box (Direct Injection / Direkt-Einspeisung) zwischen PreAmp und Audio-Interface schalten. Moderne DI-Boxen haben eine einfache oder auch mehrfache Pegel-Absenkung eingebaut, sodass man damit recht effektiv den hohen Ausgangspegel des PreAmps an den Eingang am Audio-Interface anpassen kann.

Ich betone aber, dass das eigentlich das Gegenteil von Gut ist. Denn man Verstärkt das Mikro-Signal, um es dann wieder runterzudampfen. Zudem hat man ein weiteres Gerät, erhöhten Verkabelungsaufwand und damit eine weitere Geräusch- und (!) Fehler-Quelle im Setup. Dies kann also wirklich nur als Notlösung betrachtet werden, nicht aber als Regel.

Kabel: Symmetrisch oder unsymmetrisch?

Sind XLR-Kabel besser als Klinken-Kabel? Darf man gemischte Kabel XLR/Klinke benutzen? Was sind symmetrische Kabel und welchen Vorteil bieten sie?

Drei nicht ganz unerhebliche Fragen, die man aber recht einfach beantworten kann. Im Studio sind grundsätzlich immer symmetrische Kabel empfohlen! Warum? Durch eine zusätzliche Ader im Inneren bietet dieses Kabel eine deutlich geringere Empfindlichkeit gegenüber äußeren Störeinflüssen. Die technischen Details erspare ich mir an dieser Stelle. Sollten sie dich dennoch interessieren, kannst Du Dir gerne mal diesen interessanten Artikel in der Wikipedia dazu durchlesen.

Was Du wissen solltest ist aber, dass unsymmetrische Kabel (meistens Klinken-Kabel) auf kürzeren Kabelwegen in der Regel unproblematisch sind. Je länger aber das Kabel, desto eher sollte man eine symmetrische Verbindung wählen. Allein schon der Störsicherheit wegen. Nicht ohne Grund sind Mikro-Kabel immer symmetrische Kabel.

Woran erkenne ich symmetrische Kabel?

Unsymmetrische Kabel haben zumeist auf beiden Seiten einen klassischen Klinken-Anschluss, wie man ihn von Gitarren-Kabeln her kennt. Der Stecker hat eine Spitze (englisch Tip) und ein längeres Zwischenstück (englisch Sleeve) , die elektrisch voneinander getrennt sind. Im Englischen spricht man auch vom TS-Kabel (Tip-Sleeve).

Im Gegensatz zu Instrumentenkabeln sind Verbindungs-Kabel (Patch-Kabel) im Studio natürlich kürzer als Gitarren-Kabel. Symmetrische Kabel haben zudem auf beiden Seiten entweder dreipolige XLR-Stecker, oder an einer bzw. beiden Seite(n) einen Klinkenstecker mit drei Polen/Pins. Spitze, Ring und Zwischenstück (Tip-Ring-Sleeve oder TRS) bieten die Voraussetzung mit drei separaten Leitern eine symmetrische Signalübertragung zu ermöglichen.

Mic-PreAmp anschließen ist kein Hexenwerk

Du siehst, der Anschluss eines Mic-Preamps ist kein schwieriges Meisterstück, dennoch gilt es ein paar Dinge zu wissen und zu beachten. Dann steht dem Einsatz des neuen Schmuckstücks aber nichts im Wege!

https://www.youtube.com/watch?v=Kzqp4Zak2Jo
Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.