Die Demokratisierung des Musik-Studio-Bereiches verdanken wir nicht zu letzt den immer besser werdenden USB-Audio-Interfaces. Schon mit einem Einsatz von unter 200 Euro kann man heutzutage eine Aufnahmemöglichkeit inklusive Großmembran-Mikro erwerben, mit der professionell klingende Aufnahmen möglich sind. Natürlich gibt es in der alltäglichen Handhabung ein paar kleinere Einschränkungen, die aber sehr oft den immensen Aufpreis für Interfaces aus der Profi-Liga nicht rechtfertigen können. Einer dieser Nachteile ist, dass man nur mit Einschränkungen latenzfrei einsingen kann.

Latente Verzögerung

Latenz bezeichnet in diesem Zusammenhang die verzögerte Ausgabe des aufzunehmenden Signals durch den Rechner durch und zurück an den Kopfhörer. Diese ist auch einfach zu verstehen, denn unsere Stimme muss ja durch das Mikro ins Interface, von da in den Rechner, einmal durch die DAW, wieder ins Interface und über den Digital-Analog-Wandler an den Kopfhörer und damit an unser Ohr. Dabei entsteht in der Regel eine Verzögerung zwischen Eingangs- und Ausgangssignal von 20 ms oder mehr, die unser Ohr als sehr störend empfinden kann. Ist ja auch logisch, denn wenn man etwas sagt, aber 20 oder mehr Millisekunden später erst auf dem Ohr hört, dann ist das weit weg von schön.

Gehe direkt ins Gefängnis, gehe nicht über Los

Um dies zu umgehen bieten einige Interfaces eine Direkt-Monitoring-Lösung an, was bedeutet, dass das Eingangssignal nicht erst durch den Rechner gejagt wird, sondern noch im Interface wieder an den Kopfhörerausgang geleitet wird. Nun kann man ohne die störende Latenz einsingen – allerdings auch ohne so schöne Feinheiten, wie zum Beispiel einen Wohlfühl-Hall, der einer Stimme beim Einsingen etwas Räumlichkeit gibt und es dem Sänger erlaubt, sich beim Singen wohler zu fühlen und damit auch besser zu singen. Da dieser Hall ja nicht im Interface eingebaut ist, muss er aus der DAW kommen.

Hier kommt uns aber wieder die Latenz des Software-Monitorings in die Quere, denn wenn man diese Funktion (in Studio One 3 auch „Mithören“ genannt“) einschaltet, hört man eben nicht nur das eigene direkte Signal aus dem Interface, sondern zusätzlich auch noch das um 20 ms verzögerte Signal . Dabei stellt sich ein aufdringlicher Mini-Echo-Effekt ein, der noch störender wahrgenommen werden kann, als die verzögerte Stimme allein.

Geht nicht gibt´s nicht

Was also machen, denn ohne DAW bekommt man keinen Hall, muss aber auch mit der störenden verzögerten Dopplung leben. Nicht ganz, denn mit einem kleinen Kniff kann man den Hall aus der DAW nutzen, und kommt trotzdem ohne das störende verzögerte Signal aus.

Zu diesem Zweck erzeugt man in der DAW zunächst einmal einen Effekt-Bus, in den man den Hall seiner Wahl lädt. Nun beschickt man diesen Bus per Send von der Spur, auf der aufgenommen werden soll. Aktiviert man jetzt das Software-Monitoring (oder Mithören), hört man die eigene Stimme, die verzögerte Stimme und den Hall. So weit, so schlecht.

Der Kniff ist nun, dass man den Send in der Aufnahmespur von Post-Fader auf Pre-Fader umstellt. Damit wird sichergestellt, dass der Bus im Signalfluss schon vor dem Fader beschickt wird. Es wäre also egal, ob der Fader in der Aufnahmespur ganz oben oder ganz unten steht, der Bus bekommt trotzdem ein Signal für seinen Hall. Und das ist es! Wenn man nämlich nun den Fader in der Aufnahmespur beim Aufnehmen ganz herunterzieht, verschwindet die lästige verzögerte Wiedergabe unserer Stimme im Kopfhörer, der Hall bleibt aber trotzdem erhalten – Bingo!

https://youtu.be/9NlU6PzmPmE

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