Der Shadow Hills Mastering Kompressor ist nicht etwa wie sein Name vermuten lässt nur ein Mastering-Kompressor. Als PlugIn kannst Du ihn auch auf Bussen oder Einzelsignalen wie zum Beispiel Vocals einsetzen. Er ist also vor allem ein sehr ausgewachsener Doppel-Kompressor plus charakterstarker Transformer-Einheit für noch mehr Farbe im Sound.

Der Shadow Hills Mastering Kompressor – 3 in 1

Du hast richtig gelesen, ein Doppel-Kompressor mit einem optischen Kompressor ähnlich dem LA2A, der mit nur zwei Knöpfen auskommt und relativ langsam, aber immer musikalisch komprimiert. Und mit einem discreten VCA-Kompressor, der Mastering-typisch schon mit einer Ratio von 1,2 : 1 startet, aber in der Einstellung “FLOOD” auch mit einer Ratio von 20:1 richtig hart zugreifen kann – fast schon wie ein Limiter.

Nickel, Iron, Steel – drei Transformer für ein Halleluja

Das Ganze wird garniert mit drei unterschiedlichen Ausgangs-Trafos, die jeweils eine leicht unterschiedliche Frequenzkurve bei Bässen und Höhen aufweisen:

EQ-Kurve Nickel Iron Steel

Shadow Hills Mastering Compressor EQ-Kurve Nickel Iron Steel

Aber dem Mix geben die verschiedenen Trafos vor allem mit jeweils unterschiedlichen harmonischen Verzerrungen und Obertönen ihren ganz eigenen Charakter mit:

Harmonische Verzerrung Nickel

Harmonische Verzerrung Nickel

Harmonische Verzerrung Iron

Harmonische Verzerrung Iron

Harmonische Verzerrung Steel

Harmonische Verzerrung Steel

 

 

 

 

 

Neben diesen weitgehend allgemein bekannst Infos, zeige ich Dir jetzt mal 5 eher verstecktere FUnktionen oder Infos, die Du vielleicht noch nicht wusstest.

TIPP 1: Stereo vs Dual-Mono

Betreibst Du den Shadow Hills Mastering Compressor im Dual-Mono- Modus, kannst Du für jede Seite des Stereo-Spektrums getrennte Kompressor-Einstellungen vornehmen. DAs ist nicht allzu oft nötig, aber wenn Du vor und nach dem Shadow Hills Mastering Compressor eine M/S-Matrix einsetzt, kannst Du die beiden Seiten als M/S-Kompressor der Extraklasse benutzen.

Shadow_Hills_Mastering_Compressor Dual-Mono vs Stereo

Shadow Hills Mastering Compressor Dual-Mono vs Stereo

Öfter wird sicherlich der reine Stereo-Modus genutzt. Dieser hat aber eine Besonderheit, denn auch wenn sich im Stereo-Modus alle Knöpfe bedienen lassen, haben nur die auf der linken Seite des Shadow Hills Mastering Compressor eine Funktion. Drehst Du also auf der rechten Seite des PlugIns und es ändert sich nichts am Sound, dann solltest Du auf die linke Seite oder in den Dual-Mono-Modus wechseln!

TIPP 2: Versteckter Mix-Regler für Parallel-Kompression

Das native Plugin des Shadow Hills Mastering Compressor von der Plugin Alliance hat gegenüber der Version von Universal Audio für die UAD-2-Plattform ein paar Zusatz-Regler.

Shadow_Hills_Mastering_Compressor Mix Regler

Shadow Hills Mastering Compressor Mix Regler

Einer davon ist der rechts oben unscheinbar versteckte MIX-Regler. mit diesem kannst Du einstellen, ob das Ausgangssignal zu 100% aus komprimiertem Sound bestehen soll, oder ein gewisser Anteil des Original-Signals dazugemischt. Das entspricht dann quasi einer Parallel-Kompression ohne dass Du das ganze Gehampel mit einem parallelen Bus machen musst!

TIPP 3: Variabler SC-Filter

Normalerweise analysiert ein Kompressor auf einer paralleln Sidechain (und unhörbar für den Nutzer) das eingehende Signal um zu ermitteln, ab wann der Kompressor eingreifen muss. Dazu nutzt er normalerweise das gesamte Frequenzspektrum des zugeführten Signals.

Tieffrequente Anteile im Mix haben dabei eine deutlich höhere Energie als alles oberhalb von zum Beispiel 200 hz. Und weil das so ist, bringt viel Bass einen Kompressor auch eher zum arbeiten als Material ohne die Bässe. Wenn man nicht möchte, dass die Bass-Anteile den Kompressor zu früh oder zu heftig arbeiten lassen, benötigt mal also ein Hilfsmittel, mit dem man in der Sidechain des Kompressors die Bassanteile vor der eigentlichen Analyse-Einheit “abschneidet” – also eine Art Sidechain-LowCut oder Sidechain-High-Pass.

Shadow Hills Mastering Compressor Mix Regler

Shadow Hills Mastering Compressor Mix Regler

Der Shadow Hills Mastering Compressor hat einen Regler mit der vielsagenden Bezeichnung “SC-Filter”. Mit diesem kannst Du ganz variable diesen LowCut in der Sidechain so einstellen, bis Dein  Compressor genau so arbeitet, wie Du das möchtest. Pumpt er also bei einem sehr fetten Signal sehr früh, dreh den SC-Filter etwas hoch, aktiviere den Knopf “Sidechain Filter IN” und schon sollte Dein Shadow Hills Mastering Compressor trotz fettem Signal deutlich entspannter arbeiten.

TIPP 4: Referenz-Level für das VU-Meter

Wie ein VU-Meter funktioniert habe ich Dir in diesem Artikel schon mal erklärt. Auch, dass die auf einem VU-Meter angezeigte NULL-Markierung nicht der digitalen Grenze von 0dbFS entspricht, sondern, dass man das normalerweise einstellen kann. Im Shadow Hills Mastering Compressor ist die 0db-Markierung zum Beispiel gleichzusetzen mit -14 db. Kratzt die Nadel also an der Null, sind es in Wahrheit noch 14 db Luft nach oben.

Shadow Hills Mastering Compressor VU Meter Reference Level

Shadow Hills Mastering Compressor VU Meter Reference Level

Möchtest Du diesen Wert ändern, zum Beispiel auf -18 db oder lieber -9 db, dann klick einfach zwischen die beiden VU-Meter und in der Anzeige, die sich dann öffnet findest Du unten das Eingabefeld für den VU Reference Level. Hier kannst Du nun Deinen bevorzugten Wert einstellen.

TIPP 5: Was bedeutet Dual beim Regler “Discrete Recover”

Diese Einstellung ist vielleicht ein wenig Missverständlich beschriftet, denn schließlich kann man den Shadow Hills Mastering Compressor ja auch im Dual Mono-Modus betreiben. Da fragt man sich also, was das Wort “DUAL” hier wohl zu bedeuten hat?

Shadow Hills Mastering Compressor Discrete Recover Dual

Shadow Hills Mastering Compressor Discrete Recover Dual

Der “Discrete Recover”-Regler steuert nichts anderes als die Release-Zeit des zweiten, des Discrete Compressors, und die Einstellung “DUAL” bedeutet nur, dass damit eine ähnlich langsame Release-Zeit wie beim darüber angesiedelten Opto-Kompressor gewählt werden kann. Also keine Veränderung der Arbeitsweise des PlugIns o.ä. sondern einfach nur eine etwas unglückliche Bezeichnung für einen sinnvollen Release-Wert.

PlugIn Alliance versus Universal Audio UAD-2

Falls DU Dich übrigens fragst, ob es einen Unterschied zwischen den eigentlich gleich aussehenden Plugins gibt – schließlich kommen ja beide aus der deutschen Software-Schmiede BRAINWORX? Ja, der UAD-2 Version fehlen – warum auch immer – der MIX-Regler, der flexible Regler für die Frequenz des Side-Chain FIlter (bei UDA-2 fest bei 90 hz), die UAD-2-Version kann nicht über ein externes Sidechain-Signal gesteuert werden und hat auch keine 4 Plätze für den schnellen Abruf von 4 verschiedenen Einstellungen.

Klanglich sind die beiden gleich, aber in der Bedienung ist die Variante der Plugin Alliance der Variante von Universal Audo (noch) überlegen.

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