Im letzten Artikel habe ich Dir erklärt, ob, wann und warum Du einen externen Mikrofon Vorverstärker (Mic-PreAmp) brauchst. In diesem Artikel zeige ich Dir, wie Du einen Mic-PreAmp an Dein Audio-Interface anschließt und was es dabei zu beachten gibt. Und falls es Dir bis zum Schluss noch nicht technisch genug war, erkläre ich am Ende auch noch den Unterschied zwischen den verschiedenen Line-Pegeln -10 dBV und +4 dBu.

Mic-PreAmp am USB-Audiointerface – die Anschlüsse

Auf der Frontseite vom Audio-Interface finden wir einen oder mehrere Eingänge, die heutzutage meistens aus Gründen der Platzersparnis Kombi-Eingänge sind. Das heißt, dass Du an ein und dieselbe Buchse Geräte unterschiedlicher Kategorien anschließen kannst. Mikrofone, Instrumente und eben auch externe Geräte wie zum Beispiel einen externen Mikrofon-PreAmp.

USB-Audiointerface Eingänge

USB-Audiointerface Eingänge als Kombi-Buchse

Welche Anschlüsse gibt es am USB-Audiointerface

Ohne hier zu technisch werden zu wollen, stellen wir uns Mikrofon, Instrument und Mic-Preamp doch einfach mal nur als Geräte vor, die ihr Signal per Kabel mit einem unterschiedlichen Pegel an das Audio-Interface ausgeben. Dieses Signal muss das Audiointerface dann nur noch unterschiedlich stark anheben, also verstärken.

Und damit es hierbei nicht zu Fehlern kommt, reagiert der Eingang am Audio-Interface unterschiedlich empfindlich – je nach angeschlossenem Signal. Es hat dann für schwache Signale eine hohe Eingangs-Empfindlichkeit und bietet damit auch mehr Vor-Verstärkung an, bei starken Signalen kann der Eingang entsprechend unempfindlicher sein und muss dann auch nicht mehr so viel oder gar nicht mehr verstärkt werden.

Erste Fehlerquellen beim Anschluss am XLR-Eingang

Damit ergibt sich dann aber auch schon eine der Haupt-Fehlerquellen beim Anschluss. Schließt Du nämlich ein ausgangsstarkes Signal an einem Eingang an, der eigentlich ein sehr schwaches Signal erwartet, wird das den hoch-empfindlichen Eingang automatisch übersteuern, das SIgnal verzerrt und wenn das nicht gerade der Sound war, den Du haben wolltest, ist das Ganze unbrauchbar. Anderherum: Schließt Du ein Gerät mit einem schwächeren Ausgangspegel an einen Eingang an, der ein starkes Signal erwartet, hörst Du entweder nur wenig, oder sogar gar nichts!

Julian Krause hat auf seinem Kanal schon mal all diese Anschlüsse durchgespielt und bei ihm kannst Du Dir unter diesem Video hier oben mal genau anhören, welche Signal-Qualität bei falschem oder richtigem Anschluss im Rechner landet. Das VIdeo ist zwar englisch-sprachig, aber die Soundbeispiele funktionieren ja auch ohne Sprachbarriere!

Mikrofon am USB-Audiointerface anschließen

Ein Mikro schließt Du üblicherweise per XLR-Kabel an Dein Audio-Interface an und die meisten Audio-Interfaces interpretieren ein über XLR-Kabel angeschlossenes Gerät als Mikrofon. Ergo, Mikrofon, wenig Ausgangspegel, hohe Eingangsempfindlichkeit am Audio-Interface, deswegen starke Vorverstärkungs-Reserven!!! ACHTUNG, das wird gleich noch mal wichtig!

Instrument am USB-Audiointerface anschließen

Ein Instrument wie Bass oder Gitarre bietet hier schon deutlich mehr Ausgangspegel als das Mikro und wird üblicherweise auch nicht per XLR, sondern über ein Klinkenkabel angeschlossen, auch TS-Kabel genannt. TS steht dabei für Tip-Sleve, gemeint ist damit Tip, also Spitze und Sleeve für Hülse oder Manschette.

Was bedeutet Tip Sleeve am TS-Kabel

Tip Sleeve am TS-Kabel

Steckst Du dieses Kabel in die Kombibuchse, geht Dein Audiointerface davon aus, dass es sich NICHTum ein Mikrofon handelt, der Eingang wird also schon mal etwas unempfindlicher.

Verschiedene Geräte per Klinkenkabel anschließen

Bleiben zwei Möglichkeiten, um welche Art von Gerät es sich handeln könnte. Entweder ein Instrument mit schwachem Ausgangspegel oder ein externes Gerät mit starkem Ausgangspegel auf Line-Level – zum Beispiel ein Mic-Preamp. Demzufolge schaltest Du also mit dem Instrument-Schalter die Eingangsempfindlichkeit des Klinken-Eingangs von weniger empfindlich für Instrumente auf noch unempfindlicher für ausgangsstarke Geräte auf Line-Level.

Fehlerquelle Instrument- vs Line-Eingang

Und auch hier ergibt sich natürlich wieder eine Fehlerquelle. Stellst Du für ein Instrument auf Line-Eingang, wirst Du das Instrument leise oder gar nicht hören, stellst Du für ein angeschlossenes Gerät mit Line-Ausgang auf den empfindlicheren Instrumenteneingang, wird das Signal voraussichtlich schon sehr früh verzerren, selbst wenn Du den Gain-Regler ganz herunterdrehst.

Mic-PreAmp richtig anschließen am USB-Audiointerface

Bleibt also noch der Anschluss vom PreAmp, der auch wieder über ein Klinkenkabel erfolgt und NICHT über XLR-Kabel. Du ahnst vieleicht schon warum. Ich habe ja gerade gesagt, dass Audiointerfaces wie dieses hier in der Regel auf dem XLR-Eingang ein Mikrofon erwarten, also eine hohe Eingangs-Empfindlichkeit bieten, sobald etwas über XLR angeschlossen wird.

Es gibt zwar Interfaces, bei denen man das umstellen kann, so dass die Verkabelung zwischen PreAmp und Audio-Interface auch komplett in XLR laufen kann, aber die Kombibuchsen von kleineren Audio-Interfaces erwarten am XLR-Eingang ein Mikrofon – und am Klinken-Eingang ein Instrument oder externes Gerät. Würdest Du also Deinen PreAmp mit so einem XLR auf XLR- Kabel an Dein Audio-Interface anschließen, landet das Signal aus Deinem PreAmp komplett übersteuert im Rechner.

Symmetrisches Kabel vs symmetrische Verbindung

Besser also ist der Anschluss über ein Klinkenkabel, am besten eins mit TRS-Stecker auf beiden Seiten wie dieses hier, das oft auch als symmetrisches Kabel bezeichnet wird. FÄLSCHLICHERWEISE wie ich zuletzt gelernt habe, denn nicht das Kabel ist symmetrisch, sondern im Idealfall die Verbindung, die es zwischen zwei hoffentlich symmetrischen Schnittstellen an den jeweiligen Enden des Kabels herstellt.

Symmetrische Verbindung – das sagt ein renommierter Fachmann

Unser liebes Familienmitglied „Bachglocke“ bemerkt dazu vollkommen richtig unter einem Video:

„Es gibt weder symmetrische noch unsymmetrische Kabel ! Das was „symmetrisch“ oder unsymmetrisch ist, sind die „Schnittstellen“ – also die Anschlüsse am Gerät. Jede Spannungsquelle – egal ob „symmetrisch“ oder „unsymmetrisch“ hat 2 Pole: Einen von dem der (Elektronen)strom heraus fließt und einen wo er wieder hinein fließt. Beim „unsymmetrischen“ Anschluß ist der eine Pol geerdet und der andere führt das Signal. Der Rückfluß des Signals führt über die Ader die mit Masse/Erde verbunden ist und ist somit für alle möglichen Störungen (Ausgleichströme, Brummströme u.v.m.) empfänglich.

Bei der symmetrischen Schnittstelle ist der Gegenpol zum Signal nicht mit Masse verbunden sondern führt über einen separaten Leiter zum anderen Gerät. Ist dessen Eingang einseitig geerdet, ist die Verbindung UNSYMMETRISCH – trotz sog. „symmetrischen“ Kabels ! Erst dann, wenn auf der Empfangsseite des Signals eine symmetrierte Schnittstelle vorliegt (das ist am einfachsten ein Übertrager der primärseitig NICHT mit Masse/Erde verbunden ist) und damit das Signal über den 2. Leiter im Kabel zurück fließt und nicht über die Masse/Erde, dann ist die Verbindung (!) symmetrisch ! Voraussetzung: Auch die Schnittstelle der Quelle ist symmetrisch (z.B. mit erdfreiem Übertrager), anderenfalls ist auch das eine unsymmetrische Verbindung.
Es ist daher grundfalsch, von symmetrischem Kabel zu sprechen, sondern bestenfalls von einem 2-adrigen Kabel“

Zwischen-Fazit Anschlüsse am USB-Audio-Interface

Noch mal kurz zusammengefasst, bevor wir zu den unterschiedlichen Line-Leveln kommen:
Mikro mit XLR-Kabel an den XLR-EIngang anschließen
Instrument mit dem TS-Klinkenkabel an die Kombibuchse anschließen und auf Instrument schalten
PreAmp oder sonstige Geräte mit LINE-Ausgang per TRS-Klinkenkabel an die Kombibuchse anschließen und auf Line schalten, oder zumindest den Instrumentenknopf ausschalten.
Sollte Dein Audio-Interface hinen noch zwei extra Line-Eingänge besitzen, kannst Du diese auch direkt nutzen und musst dann gar nichts umstellen.

Line-Level Unterschied -10dBV und +4 dBu

Es gibt am Ausgang einiger MicPreamps noch einen Umschalter zwischen Consumer-Level mit -10dBV und mit Studio- oder Pro-Level +4dBu. Und ohne ein Genie sein zu müssen erkennst Du an den verschiedenen Zahlen -10 und +4 schon, dass es sich hiebei offensichtlich um verschieden starke Signale handelt, die aus dem PreAmp rausgehen.

Ich erspare uns jetzt mal die hochtechnischen Daten, Spezifikationen, Erklärungen zu dem verschiedenen Maßangaben inklusive Historie, und so weiter, nur soviel:
Beim Studio-Pegel +4dBu kommt mit 1,22277 Volt deutlich mehr „Saft“ aus dem Ausgang des PreAmps, als beim Consumer-Pegel -10dBV der gerade mal etwas mehr als 0,3 Volt bietet.

Welchen Line-Pegel verträgt mein USB-Audio-Interface?

Und da das Signal ja nicht nur irgendwo rausgeht, sondern ins Audio-Interface auch wieder reingeht, ist es natürlich für die richtige EInstellung am PreAmp wichtig zu wissen, welchen Pegel denn der Line-Eingang an Deinem Interface erwartet bzw. verträgt? Ist er empfindlicher, weil er die niedrigeren -10dBV erwartet, oder ist er unempfindlicher und damit gut geeignet für +4dBu?

Und auch hier erkennst Du sicher wieder das Problem. Gehst Du mit +4dBu in einen Eingang, der „nur“ -10dBV verträgt, übersteuert das Signal den EIngang am Audio-Interface gnadenlos. Umgekehrt mit -10dBV in einen Eingang mit +4dBu reinzugehen ist unkritischer, nur leiser und kann auch etwas mehr Rauschen im Signal bedeuten.

Welcher Line-Level ist bei mir richtig?

Welche Einstellung ist nun für Dich die richtige? Um herauszufinden, ob Dein Line-Eingang auch den deutlich höheren Studio Pegel +4dBu verträgt, kannst Du in der Bedienungsanleitung von Deinem Audiointerface in den Spezifikationen nachlesen, hier zum Beispiel ein Focusrite Scarlett Interface, das den höheren Pegel verträgt.

Oder Du probierst es einfach aus. Verbinde Deinen Preamp über ein TRS-Kabel mit dem Klinken-Eingang Deines Audio-Interfaces, stell auf Line oder deaktiviere den Instrumentenknopf und dreh den Gain-Regler am Audiointerface komplett herunter. Am PreAmp stellst Du auf +4dBu und pegelst jetzt mal ein Mikrofon ein. Wenn die Pegel-Anzeige Deines Audio-Interfaces auch bei vollkommen heruntergedrehtem Gain sehr schnell in den roten Bereich geht, verträgt der Eingang den hohen Pegel des PreAmps anscheinend nicht. Stell dann am PreAmp um auf Consumer-Level -10dBV und Du solltest nun endlich loslegen können.

Die Bedienungsanleitung ist Dein Freund

Hat Dein Preamp keinen Schalter, lies in der Bedienungsanleitung nach, mit welchem Pegel das Signal aus dem PreAmp herausgeht und wenn Dein Audio-Inteface keinen Studio-Level verträgt, Dein PreAmp aber nicht anders kann, musst Du im PreAmp entweder den Ausgang stark herunterregeln oder wenn Dein PreAmp keinen Ausgangsregler hat, das Mikro im externen PreAmp nur sehr konservativ pegeln. Ob das dann allerdings noch den Einsatz einen externen MIC-Preamps rechtfertigt musst Du selbst entscheiden.

Ganz einfach: MIC-PreAmp richtig anschließen | Abmischen Tutorial | Recording-Blog MP133

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