Text schreiben klingt schwierig. Ist es auch. Manchmal auch nicht. Aber wie schreibt man einen Text? Eine einfache, aber dennoch komplizierte Frage, denn es gibt darauf nicht DIE eine Antwort. Und nicht nur das, es gibt sogar eine Million verschiedene Wege und was für den einen absolut problemlos funktioniert muss beim nächsten noch lange nicht klappen. Ich formuliere also um:

Wie schreibe ich einen Text?

Da ich in der Regel den Text für eine fertige Musik schreibe, will ich meinen Weg dabei auch hier zeigen. Erst den Text und dann die Musik zu schreiben ist noch mal etwas anders, zumindest Teil 1 unterscheidet sich aber nicht sehr stark. Ich trenne beim Text schreiben vor allem den kreativen vom handwerklichen Bereich. Das bedeutet ich schreibe mehr oder weniger in zwei Schritten. Beide haben natürlich einen kreativen Anteil, Schritt zwei aber daneben auch noch einen größeren handwerklichen Teil. Mehr dazu später! Kommen wir zunächst zum kreativen Teil beim …

Text schreiben Phase 1

Will ich einen Text schreiben, benötige ich zunächst einmal ein Thema. Das ist für mich eigentlich der schwierigste Teil, denn die Frage „Worüber möchte ich singen?“ bestimmt den gesamten weiteren Verlauf des Songs. Singe ich zum Beispiel über ein ganz konkretes Thema, wie „Ich sitze im Café und besinge Leute die ich beobachte“? Oder ein allgemeingültiges Thema, wie  z.B. „Ich singe über die Liebe zu etwas oder jemandem, verrate aber nicht wen oder was ich genau meine“? Oder etwas autobiographisches? Oder ein Gefühl? Oder eine Situation? Oder,… oder,… oder …!

Der Themen gibt es viele, wie finde ich also eines das passt? Ganz einfach, ich nehme mir einfach irgendeins, lege mich fest habe damit einen Startpunkt. Wenn ich irgendwann absolut unzufrieden bin oder nicht weiterkomme, muss ich halt noch mal neu anfangen. Aber die schnelle Entscheidung hilft mir persönlich immer! Beim Community-Text schoß mir zum Beispiel die Zeile „I read the news today, oh boy“ von John Lennon aus „A day in the life“ durch den Kopf. Daraus wurde „I heard the news today, oh boy“ und da ich großer Fan von Zweideutigkeiten bin, war mir sofort klar, dass ich einen Tribute-Song für meine Helden „Huey Lewis and the news“ schreiben würde. Zumal diese Band auch perfekt zum Stil des Songs passt. Eine kleine Initialzündung und los ging es!

Text schreiben Phase 1 B

Von wegen „los ging es“. Ich bin nicht direkt angefangen drei Päckchen mit sich perfekt reimenden Vierzeilern runterzuschreiben. Stattdessen habe ich einfach erst mal ein paar Zeilen notiert, die die Geschichte wiedergeben, die ich erzählen möchte. Ohne Reim-Zwang und ohne Metrum (also sprach-Rhythmus)! Im aktuellen Fall geht es darum, dass das Rockpalast-Konzert von „Huey Lewis and the news“ am 13. Oktober 1984 meine Intialzündung war, endlich eine Stromgitarre spielen zu wollen.

Wichtig ist mir in dieser Phase vor allem, die Geschichte möglichst knapp auf´s Papier zu bringen. Reim, Metrum und Feinschliff folgen in Schritt zwei. Wenn es gut läuft, schießt mir beim Schreiben dieser Zeilen bereits ein Refrain durch den Kopf. Auch dieser muss noch nicht sofort perfekt passen, sondern dient als Basis für Teil 2.

Text schreiben Phase 2

In Phase zwei setze ich mich mit meinen Zeilen vor den Rechner und spiele das Playback. Dabei versuche ich den geschriebenen Text auf die Musik zu singen und dabei eine Melodie zu finden. Ich ändere währenddessen ständig Metrum, einzelne Wörter und auch ganze Zeilen und Reime, bis es passt und sich gut anfühlt. Das Ganze aber ohne den ursprünglich geplanten Inhalt zu verändern. Denn was ich sagen will weiß ich ja schon, nur die Form muss noch gesucht werden. Hierzu hilft es mir oft in Synonymen zu denken, also die gewünschte Aussage mithilfe anderer Wörter gleich abzubilden. Ich nutze gerne Internetseiten, die speziell auf Synonyme und Reime ausgelegt sind, wie zum Beispiel https://synonyme.woxikon.de oder auch https://www.reimemaschine.de/reim_suchen.php . Gibt´s übrigens auch auf Englisch und speziell Synonyme inspirieren mich immer wieder, Zeilen noch mal zu optimieren und anzupassen!

Text schreiben Phase 2 B

Dies ist dann der Praxisteil von Phase 2, denn nun stehe ich vorm Mikro und singe den Text, den ich mir erarbeitet habe. Ich achte dabei vor allem auf Singbarkeit im Songtempo, Stolperwörter etc. . Ein Text sollte meiner Meinung nach leicht und flüssig über die Lippen laufen, Ich vermeide also Stopplaute in Wörtern, Wörter die sich hintereinander nicht gut singen lassen, die Klangfarbe der Vocals sollte nicht zu unterschiedlich sein und so weiter. Läuft mir der Text gut und rund mache ich eine Probeaufnahme, und die nehme ich dann mit ins Auto und höre sie mir wieder und immer wieder an.

Beim immer wieder hören fallen mir ganz oft noch neue Formulierungen, bessere Wörter oder sogar Zeilen ein, die ich dann zuhause einarbeite und wieder mitnehme. Der gesamte Prozess ist also selten innerhalb weniger Stunden abgeschlossen, sondern zieht sich meist über Tage. Oft genug falen mir sogar bei längst abgeschlossenen Songs nach Monaten beim Hören bessere Formulierungen ein. Die spar ich  mir aber meist für neue Songs auf und fange nicht noch mal von vorne an.

Ready to rock

Selbstverständlich ist das nur mein Weg, und ich habe ihn hier auch nur rudimentär abgebildet, denn gerade beim Schreiben achte ich intuitiv auf noch viel mehr, als nur auf Inhalt, Metrum und Reime. Ich liebe zum Beispiel überlappende Zeilen, Auftagkt, Texte komplett ohne Reime (wie zum Beispiel „America“ von Simon & Garfunkel)  oder Blöcke mit vielen Wörtern, die ähnlich klingen (wie in Texten von Eminem). All diese Elemente arbeite ich in meine Texte ein und schreibe damit. Ich habe das nicht gelernt, aber ein paar gute Anregungen habe ich aus diesem Buch bekommen: Songtexte schreiben – Handwerk und Dramaturgie im Songwriting  (Affiliate-Link, siehe auch hier dazu).

Wie der neue Text klingt, kannst Du Dir in der Studio One-Session oder in den Stems unseres aktuellen Songs anhören. Und hier findest Du diese zum Download:

07 Stems – Text schreiben

07 Stems – Text schreiben

 

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