Homerecording, Mix-Praxis
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Ganz einfach: Kompressor mit nur zwei Knöpfen richtig einstellen

„Der Kompressor, das unbekannte Wesen“, oder auch „Oft genutzt, selten richtig“ – diese beiden Aussagen treffen sicherlich bei vielen Leuten (zumeist ungewollt) zu und wer könnte ihnen angesichts der „Knöpfeflut“ moderner Kompressoren einen Vorwurf machen? Zumal die Ergbenisse eines arbeitenden Kompressors in der Regel deutlich schwerer zu hören sind als zum Beispiel der Einsatz eines Equalizers.

Leiser oder lauter?

Zunächst einmal ist ja wichtig zu wissen, was ein Kompressor macht und wofür man ihn einsetzt. Im Grunde ist der Kompressor ein automatischer Lautstärkeregler. Er soll die zu lauten Teile der Aufnahme in ihrer Lautstärke reduzieren und damit an den Rest der Aufnahme angleichen. Daher könnte man meinen, dass ein Kompressor das Signal leiser macht. Macht er auch, allerdings nur im ersten Schritt, denn da der Kompressor die lauten Stellen ja leiser gemacht hat, kann man die Gesamtlautstärke des Signals nun insgesamt in der Lautstärke anheben ohne dieses zu übersteuern. Der Kompressor macht also nur leiser, damit  alles zusammen lauter gemacht werden kann. Ein „gleichzeitig-Leiser-und-Lauter-Macher“ quasi.

Nur zwei Knöpfe? Ehrlich?

Um genau das zu erreichen braucht man eigentlich nur zwei Knöpfe, die heutzutage in jedem modernen (DAW-)Kompressor zu finden sind: Threshold und Gain.

Mit Threshold sagt man dem Kompressor, ab welchem Pegel das Signal leiser gemacht werden soll und mit Gain hebt man das Gesamtsignal dann um den dadurch verlorenen Pegel wieder an.

Und so geht´s!

Um nun also zum Beispiel bei einer Sprach- oder Gesangsaufnahme mit dem Kompressor einen etwas gleichmäßigeren Pegel zu erreichen, kann man wie folgt vorgehen:

Mach einen Loop bei der lautesten Stelle Deiner Aufnahme, lade ein Kompressor-Plug-in in den Kanalzug und regle nun den Threshold so lange runter, bis die Anzeige der Peak-Reduktion (Pegel-Absenkung) ungefähre einen Ausschlag von -4 bis -5 db anzeigt. Nun kannst Du mit dem Gain- (oder MakeUp-Gain, Level, oder auch Output)-Regler den soeben „verlorenen“ Pegel wieder anheben. Dreh also hier die soeben verlorenen 4 oder 5 db wieder rein. Fertig!

Gaaaanz einfach

Über den Threshold weiß der Kompressor ab jetzt, wann er den Pegel reduzieren soll und über der Gain-Regler macht er das nun komprimierte Signal insgesamt um diesen Faktor lauter. Das Ergebnis ist ein gleichmäßigerer Gesamtpegel und leise Passagen saufen nun gegenüber den lauteren Passagen nicht mehr ab. Kleiner Tip: Wenn das Signal mit einem Kompressor nicht gleichmäßig genug wird, nimm einfach noch einen weiteren mit ungefähr -3 db Pegelreduktion, das machen die Großen inder Szene auch sehr oft 😉

Und die anderen Knöpfe?

Alle anderen Knöpfe müssen dich für dieses grundsätzliche Nutzungsgebiet erst mal nicht interessieren, du kannst sie also in der Standardeinstellung belassen. Falls Du Dich allerdings nach erfolgreicher Anwendung  sicher fühlst und wissen willst, was die anderen Knöpfe zu bedeuten haben, dann schau doch mal hier in meine kleine Reihe „Compressor-Basics“ rein, in der ich alles Weitere auch erkläre.

Aber (!) das musst Du nicht zwingend, denn die grundsätzliche Bedienung eines Kompressors kannst du nun vornehmen und das können die Wenigsten!

2 Kommentare

  1. Michael Deleglise sagt

    Klasse Tipp, kurz&bündig. In Kombination mit deiner Serie zum Kompressor ist dann alles sonnenklar.
    Hast du Empfehlungen für externe Kompressoren, die bei logic nicht an Bord, aber echt gut sind? Oder kommt man mit den logic Kompressoren eh gut über die Runden?
    Liebe Grüße,
    Michael

    • Hi Michael, also eigentlich „braucht“ man keine weiteren Kompressoren mehr, aber dennoch gibt es ein paar Klassiker, die man im Werkzeuggürtel haben sollte, weil sie einfach zu bedienen sind und meist auch gut klingen. Dazu gehören die Emulationen vom 1176 und LA2A (gibt es zum Beispiel von Waves (CLA76) oder Universal Audio). Dazu noch der PuigChild-Kompressor (auch von Waves) und als Arbeitstier auf dem Bus der SSL-Buskompressor. Aber wie gesagt, es geht in Logic auch locker ohne! Verhältnismäßig günstig ist dahingehend das Slate Digital All In Bundle. Für den Preis eines einzelnen PlugIns bekommst Du da pro Jahr das volle Paket. Kannst ja mal reinschauen, ob das was für Dich ist!

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