Mix-Praxis
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Wieviel db mehr ist doppelt so laut?

Gerade wenn es um Lautstärke geht, kommt immer etwas Unsicherheit auf, denn die Frage aus der Überschrift ist aufgrund diverser unterschiedlicher Deutungs-Ansätz nicht so einfach zu beantworten. Ein Grund mehr, mal Licht ins Dunkel zu bringen.

Viel hilft viel

Eigentlich sollte die Frage ja einfach zu beantworten sein, denn wenn ich sagen wir mal 0,50€ habe und noch mal 0,50 € dazulege habe ich 1,00 € und damit die doppelte Menge. Wenn ich also jetzt eine Box habe und eine zweite, genau identisch eingestellte Box dazustelle ist es auch doppelt so laut, oder? Nein, eben nicht …

Doppelt ist nicht gleich doppelt

Das liegt daran, dass Lautstärke keine feststehende Maßeinheit ist, sondern eher ein Begriff aus der Psychoakustik. Die empfundenen Lautstärke hängt von diversen Faktoren ab, wie zum Beispiel Frequenzspektrum, Impulslänge, Schalldruck, etc. . So wird zum Beispiel bei einem Abstand von 10 m ein Gewehrschuss mit 116 db Schalldruck als nicht so laut wahrgenommen, wie ein Düsentriebwerk im selben Abstand und mit selbem Schalldruck. Dies ganz einfach aufgrund der länge des Signals: ein Schuss entspricht einem sehr kurzen Impuls (wie eine Snare), ein Düsentriebwerk bringt den Schalldruck aber Dauerhaft und wird daher deutlich lauter wahrgenommen.

Und es wird noch bekloppter …

Auch werden zum Beispiel tiefe Frequenzen –  je lauter sie sind – nichts so laut wie hohe wahrgenommen. Das bedeutet, dass ein laut abgehörter Mix durchaus ausgewogen klingen kann, leise  aber zu wenig Bass hat. Stellst Du  deinen EQ für den Bass also leise abgehört so ein, das es passt, muss der Bass laut abgehört nicht zwingend zu mächtig sein. Justierst Du deinen Bass-EQ allerdings bei lauter Abhöre, wird der Bass mit ziemlicher Sicherheit beim leisen Abhören zu dünn ausfallen …

Aber was ist denn jetzt das Doppelte?

Man muss hier Psychoakustik von der Physik trennen und vor allem aufpassen, dass man mit den einzelnen Begriffen nicht durcheinander kommt:

Ein um 3 db höherer Pegel bedarf der doppelten physikalischen Energie (z.B. doppelte Verstärkerleistung). Dadurch wird das Signal natürlich lauter, die Schallintensität verdoppelt sich, wird aber bei weitem nicht als doppelt so laut wahrgenommen.

Ein um 6 db höherer Pegel verdoppelt den Schalldruck. Die hierfür benötigte (Verstärker)-Leistung  beträgt zum Ursprungssignal bereits das vierfache, aber auch das wird immer noch nicht als doppelt so laut wahrgenommen.

Ein um 10 db höherer Pegel wird nun schließlich vom Menschen als doppelt so laut wahrgenommen. Das hierfür nötige Mehr an Leistung beträgt aber  mehr als das 16-fache!

Alle Klarheiten beseitigt

Weil man aber die empfundene Lautstärke nicht messen kann – „Psycho“-Akustik eben – gibt es zu diesem Thema mindestens auch zwei Meinungen, 17 Forschungen und um ein Vielfaches mehr „Experten“, die sich hierüber vortrefflich und leidenschaftlich streiten. Neuer Forschungen sagen zum Beispiel, dass die doppelte Lautstärke schon bei doppeltem Schalldruck vorliegt. Und wieder andere sagen, dass dies von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist.

Einigen wir uns also einfach darauf, dass zumindest der Begriff der doppelten Lautstärke (nicht doppelter Pegel oder Schalldruck) irgendwo zwischen einer Pegel-Erhöhung von 6 bis 10 db liegt.

Und ganz ehrlich – Physik hin oder her: Wichtig ist am Ende doch nicht, ob es doppelt so laut ist, sondern vor allem, dass es gut klingt, und deshalb soll jetzt hier auch Schluss sein, damit mehr Zeit zum Musikmachen übrig bleibt!

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