Let´s play Studio One, Mix-Praxis
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EQ-Basics 4: Weitere EQ-Typen und Zusammenfassung

In den bisherigen drei Folgen EQ-Basics haben wir drei verschieden Filtertypen kennengelernt, aber gibt es noch mehr? Die Antwort ist ein klares Jein! Es gibt mit dem Notch-Filter, dem Band-Pass und dem Tilt-Shelve zwar weitere Filtertypen, die aber im Kern eher einer Variation der 3 Basis-Filtertypen entsprechen.

Notch-Filter

Der Notch-FIlter (auch Kerb-Filter genannt) entspricht einem Bell-Filter mit extrem-hohem Q-Faktor und negativem Gain. Er filtert im Idealfall nur eine spezifische Frequenz oder ein sehr enges Frequenzband aus. So kann man mit ihm zum Beispiel sehr effektiv ein 50hz-Netzbrummen herausfiltern, ohne den Rest des Signals wahrnehmbar zu verändern.

Band-Pass

Der Band-Pass-Filter entspricht einem kombinierten Low- und Highcut in einem Filter. Er schneidet also gleichzeitig sowohl den Tiefton- als auch den Hochton-Bereich ab. Oder um dem Namen gerechter zu werden: Er lässt nur ein spezifisches Frequenz-Band passieren. Man kann die Flankensteilheit (in db/Oktave) und die Breite sowie die Kernfrequenz des Filterbandes einstellen. Stellt man dieses Filter so ein, dass nur Frequenzen zwischen 1.000 und 2.500 hz „durchgelassen“ werden, kann man damit ganz einfach einen prima Telefoneffekt erzeugen. Und vom Telefoneffekt ausgehend kann man das Filterband nun automatisieren und immer weiter öffnen, was sehr schön die heute in der House-Musik üblichen Filterfahrten auf dem Gesamtsignal erzeugt.

Tilt-Shelve

Beim Tilt-Shelve-Filter werden die Frequenzen ober- und unterhalb einer Kernfrequenz bearbeitet. Hebt man zum Beispiel die tieferen Frequenzen unterhalb der Kernfrequenz an, senkt man die oberen Frequenzen im selben Maß ab – und umgekehrt. Einstellbar sind hier neben der Kernfrequenz noch Q und Gain! Auch hiermit kann man schöne Filterfahrten automatisieren

Drei Typen von PlugIns

Sämtliche Plugins bedienen sich im Kern der drei Basis-Filtertypen, wobei man hier wiederum drei grundsätzliche Design-Ansätze beobachten kann, mal in Anlehnung an ein Hardware-Vorbild, mal ganz klar als Software-Lösung konzipiert.

Es handelt sich hierbei um PlugIns mit fest eingestellten Frequenzen und Q-Faktoren (z.B. Neve 1073, API 550), Grafische EQs mit bis zu 10 Gain-Schiebereglern für jede fest vorgegebene Frequenz (z.B. API 560, SPL FreeRanger) oder die ausschließlich in Software existierenden, hochflexiblen Plugins, bei denen man frei und in nahezu unbegrenzter Anzahl alle verschiedenen Filtertypen gleichzeitig benutzen kann (z.B. FabFilter PRO-Q 2, Brainworx bx-hybrid V2).

PlugIns, die sich an Hardware-Vorbildern orientieren, glänzen in der Regel durch eine sehr musikalische Abstimmung der vorgegebenen Frequenzen und Qs. Hinzu kommt meist noch eine gewisse dem Originalgerät nachempfundene Signal-Färbung durch Obertöne, Sättigung und  Übersteuerungen. Diese Plugins überfrachten den Nutzer nicht mit zu vielen Optionen, liefern aber nahezu immer gute Ergebnisse.

PlugIns, die rein in der Software-Welt existieren eignen sich vor allem gut, um Reparaturen und gezieltere Eingriffe bei einem Signal vorzunehmen. Aber auch das Aufhübschen eines Signals nach Vorbild der Hardware-Geräte ist durchaus möglich – allerdings ohne die charakteristische Färbung der Originale.

Zusammengefasst

Der Equalizer ist wohl eins der mächtigsten Werkzeuge zur Klanggestaltung und Bearbeitung unserer Aufnahmen. Richtig und vorsichtig eingesetzt kann man damit nahezu jedes Signal in den Mix einpassen. Man darf hierbei vor allem niemals Angst haben und ruhig kräftig mal rein oder rausdrehen, um zu lernen und die Ohren zu trainieren. Wie bei allem, was man gut können möchte gilt hier vor allem: Üben, üben, üben!

Es ist hier übrigens zunächst einmal egal, auf welchen Boxen oder Kopfhörern man das macht. Auch sind hierfür keine spezialisierten PlugIns notwendig, denn die heutzutage mitgelieferten EQs von Presonus Studio One, Logic Pro X, Cubase, Protools, Ableton Live, Reaper usw. bieten bereits alle nötigen Filterbänder und Einstellmöglichkeiten bei einem sehr guten und neutralen Klangverhalten. Also spart Euch das Geld und nehmt Euch Zeit zum Üben, denn kein noch so tolles Wunder-Plugin ersetzt mangelndes Verständnis. Auch ich hab das am Anfang teuer lernen müssen!

Wichtig ist, dass man die einzelnen Frequenzen und Filtertypen gut kennt und versteht, um sie anschließend gezielt einzusetzen. Ihr werdet sehen, mit der Zeit nutzt man den EQ immer intuitiver und gezielter, was unheimlich Spaß macht und einem auch ein bisschen das Gefühl von „echter Macht“ über seine Signale gibt.

Also, habt Spaß und vor allem keine Angst beim Ausprobieren. Spart Euch das Geld für neue PlugIns und übt, bis die Regler glühen. Denn am Ende geht es nur um eins: besser Musik und bessere Mixe!

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