Nachdem wir in den ersten beiden Teilen sowohl Low-/High-Cut als auch die Shelving-Filter besprochen haben, widme ich mich im dritten Teil nun dem wohl flexibelsten Filter-Typ moderner Equalizer und deren Plugin-Varianten: dem Bell-Filter!

Warum Bell?

Wenn man  mal im Plugin (mit grafischer Filterkurven-Anzeige) bei einem Bell-Filter den Gain-Regler ein wenig anhebt sieht man sofort, dass die Filterkurve sich grundsätzlich von Cut- oder Shelve-Filtern unterscheidet. Der Verlauf der Filterkurve erinnert mit seinen links und rechts der Mitte abfallenden Filterflanken direkt an eine Glocke. Und da das englische Wort für Glocke „Bell“ lautet, ist die Namensgebung direkt mal geklärt – gaaaanz einfach!

Und was kann man einstellen?

Der Bell-Filter wird gewöhnlich über drei Parameter justiert, von denen sich zumindest die ersten beiden durch ihren Namen fast selbst erklären:

1. Die Frequenz oder auch Frequency justiert die Kernfrequenz, die bearbeitet werden soll.

2. Gain regelt, ob der gewählte Frequenzbereich lauter oder leiser klingen soll, also angehoben oder abgesenkt wird.

3. Q-Factor oder auch nur Q benannt. Diese etwas mysteriös klingende Bezeichnung bestimmt die Filter-Qualität, daher auch die Kurzbezeichnung Q für Qualität oder auch Quality.

Q ist nicht der Erfinder von James Bond

Aber hier geht es weniger um „gute“ oder „schlechte“ Filter, als mehr darum wie breit das zu bearbeitende Frequenzspektrum ausfällt. Denn genau das regelt der Q: die Bandbreite des Filters. Mit Bandbreite bezeichnet man den Bereich, der jeweils ober- und unterhalb (oder auch links und rechts) der Kernfrequenz  liegt und von der Bearbeitung mit betroffen ist. Und der Q-Faktor, also die Bandbreite des Filters, lässt sich ganz einfach mit dem entsprechenden Regler anpassen. Dazu muss man nur wissen, dass ein hoher Q-Faktor (oberhalb 1) eine sehr schmale Bandbreite und ein  niedriger Q-Faktor (unterhalb von 1) eine sehr große Bandbreite zur Folge hat. Wenn man im EQ-Plugin mal mit dem Gain ein wenig anhebt und dann mit dem Q-Faktor in beide Richtungen spielt, sieht man in der grafischen Darstellung sofort, was hiermit gemeint ist.

Und wofür ist das gut?

Die Bestimmung der Filter-Bandbreite über den Q kombiniert mit der freien Wahl der Kernfrequenz macht die Bell-Filter erst zu der flexibel-einsetzbaren Wunderwaffe in der Klangbearbeitung. Denn mit einer sehr schmalen Bandbreite kann man zum Beispiel sehr gezielt einzelne Störfrequenzen im Signal identifizieren und ausblenden, wohingegen man mit einer sehr großen Bandbreite vor allem eine sehr angenehme und natürlich klingende Klang-Gestaltung vornehmen kann. Zum Beispiel lassen etwas mehr Bass, etwas weniger Mitten und etwas mehr Höhen  eine Stimme sofort größer und zugleich klarer erscheinen, als sie vielleicht ursprünglich aufgenommen wurde.  Man kann Aufnahmen damit aber nicht nur besser klingen lassen, sondern vor allem auch gezielt in einen Mix einfügen, indem man die Frequenzen der einzelnen Signale mithilfe des EQs so sauber voneinander trennt, dass jedes Instrument im Idealfall gleichgut zu hören ist.

Kann das jeder?

Natürlich kann das jeder. Aber wie bei allem, was man gut können möchte zählt vor allem eines: Üben, üben und nochmals üben. Denn das Gehör muss trainiert werden, um zu wissen, was man mit dem Equalizer alles anstellen kann. Wichtig ist aber, dass man sich dadurch nicht abschrecken lässt  und hier keine Angst hat. Dreh ruhig mal ein paar Frequenzen deutlich rein oder raus, um einfach mal zu hören, was dann tatsächlich mit der Aufnahme passiert. Und je besser dein Ohr  auf die einzelnen Bearbeitungen mit zunehmender Übung konditioniert wird, um so gezielter kannst du anschließend den EQ einsetzen, um Klänge und Aufnahmen zu formen oder Fehler zu reparieren. Ein erstes Beispiel und noch mal alles oben stehende in Wort und Bild gibt´s wie immer im Video zur Beitragsreihe. Ich nutze zwar Studio One 3, aber die Bearbeitungs-Prinzipien sind allgemeingültig und somit in jede DAW übertragbar.

Also trau Dich und ran an die Regler!

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