“Wie und wo setzt man 1176, LA2A oder den Standard-Kompressor von Studio One richtig ein?” Selten hat mir eine Frage aus der #RecordingBlogFamilie soviel Kopfzerbrechen bereitet. Denn meiner Meinung gibt es im Studio ja kein “richtig oder falsch”, nur “klingt oder klingt nicht”! Und selbst das ist noch total subjektiv. Grund genug also die Frage nicht von dieser Seite, sondern von den Kompressoren selbst aus anzugehen.

Drei Kompressoren, ein Ziel

Zunächst einmal kann man sowohl mit dem 1176 (FET genannt), als auch mit dem LA2A (TUBE genannt) und dem Standard-Kompressor das Audiosignal komprimieren, also in seiner Dynamik einschränken. Das macht man erst mal rein technisch betrachtet, damit der Unterschied zwischen den zu lauten und den zu leisen Teilen etwas geringer wird. Alle Einzelheiten, Regler, Einsatzgebiete etc. habe ich hier in den Kompressor-Basics schon mal ausführlich besprochen. Ziel des Ganzen ist es das Signal stabiler und damit verlässlicher im Mix hörbar zu machen. Wenn das aber mit allen dreien geht, warum dann nicht nur einen nehmen?

Drei Kompressoren, drei verschiedene Ansätze

Sowohl 1176 als auch LA2A sind berühmten Hardware-Originalen aus den 1960er Jahren nachempfunden, die aufgrund ihrer Bedienweise, vor allem aber wegen ihres Sounds und der Art das Signal zu komprimieren, bis heute überdauert haben, da sie zu Legenden im Tonstudio wurden.

LA2A nachempfundener Kompressor aus dem Fatchannel von Studio One 4

LA2A nachempfundener Kompressor aus dem Fatchannel von Studio One 4

Der TUBE-Comp (LA2A-Style) könnte kaum einfacher zu bedienen sein: Einfach den Regler Peak-Reduktion so weit aufdrehen, bis die gewünschte Kompression des Audiosignale einsetzt und dann den Lautstärkeverlust mit dem Main-Regler wieder ausgleichen. Ich empfehle in dem Zusammenhang beim Einsatz des Peak-Reglers mal nicht hinzuschauen, sondern die Augen zu schließen und nur zuzuhören, was beim Drehen passiert. Gefällt es Dir, hast Du die richtige Einstellung für Dein Signal gefunden.

1176 nachempfundener Kompressor aus dem Fatchannel von Studio One 4

1176 nachempfundener Kompressor aus dem Fatchannel von Studio One 4

Der FET-Kompressor (1176-Style) bietet da schon deutlich mehr Regelmöglichkeiten, die aber nach etwas Einarbeitung nahezu gleich-einfach zu bedienen sind wie der LA2A. Zwei wichtige Eigenheiten vom 1176-style Kompressor sollte man kennen. Und diese gelten für jedes 1176-Kompressor-PlugIn oder Hardware-Derivat, das man kaufen kann, egal ob für UDA-2, von Waves, Slate Digital, IK Multimedia, Warm Audio oder Universal Audio:

  1. Ein 1176-Kompressor hat keinen variablen Threshold, ab dem die Kompression einsetzt. Stattdessen ist der Threshold im Gerät fest verdrahtet und man regelt mit dem Input-Regler das Eingangssignal soweit hoch, bis die gewünschte Kompression sich einstellt (sichtbar am VU-Meter).
  2. Attack- und Release-Regler laufen umgekehrt. Der höchste (und damit langsamste) Wert ist demnach bei Linksanschlag des Potts. Entsprechend sind die kleinsten Werte und damit die schnellsten Werte beim Rechtsanschlag zu bekommen. Soll der Kompressor schnell komprimieren und die Kompression wieder “loslassen”, dann müssen beide Regler nach rechts!
Standard Kompressor aus dem Fatchannel von Studio One 4

Standard Kompressor aus dem Fatchannel von Studio One 4

Der Standard.Kompressor bringt dagegen tatsächlich alle relevanten Einstellmöglichkeiten mit, die ein moderner Kompressor (speziell die Plugins) zu bieten haben. Die Bedeutung und Anwendung der einzelnen Knöpfe habe ich wie gesagt hier schon ausführlich beschrieben. Daher an dieser Stelle nur der Tipp: Wenn Du wissen willst, wie man den Kompressor gezielt bei einzelnen Signalen einsetzt, dann schau zur Orientierung auf jeden Fall in die mitgelieferten Presets. Denn für diese haben sich die schlauen Leute bei Presonus eine Menge Mühe gegeben, sodass man für einen ersten Ausgangspunkt nur den Threshold anpassen muss, um eine ordentliche und eine zum Ausgangs-Signal passende Kompression zu bekommen. Zusätzlich kann man sich an den durch die Presets eingestellten Werte orientieren, was hier so der “normale” Rahmen ist, um von da aus dann kreativ zu werden!

Also welcher Kompressor für was?

Tja, der Antwort bin ich bis hierhin nicht wirklich näher gekommen, denn tatsächlich eignen sich alle Kompressoren nahezu für alles. Mit dem Standard-Kompressor bist Du defintiv  für jedes Signal, das technisch sauber komprimiert werden soll, auf der richtigen Seite. Die Presets geben Dir Anhaltspunkte, die Du nur mit dem Threshold anpassen musst und schon passt.

LA2A dagegen ist gemäß der Arbeitsweise seines großen Vorbildes eher für die gemächlichere und daher gutmütigere Kompression zu nutzen. Der LA2A lässt schnelle Transienten immer durch, ist daher also auch eher für weniger transienten-starkes Material geeignet. Vocals, gemächlichere Synthesizer, Chöre, Pianos und vor allem Bass sind hie gute Kandidaten. Trotzdem würde ich ihn auch auf Drums einsetzen – allein um in jedem Fall herauszufinden, ob der dem Signal nutzt oder eher schadet. Learning by Burning halt!

Der durch die Transistorbauweise bedingt deutlich schnellere 1176 bietet sich dagegen schon fast als Allrounder an. Er ist schnell genug um starke Transienten einzufangen, kann aber auch langsam genug reagieren, um diese durchzulassen. Sein release ist mit 50 – 1100 ms ausreichend breit einsetzbar und kann das Signal damit auch zielgenau und passend zum Beat verdichten. Stell die Release-Zeit für Drums zum Beispiel so ein, dass der Kompressor immer genau kurz vor dem nächsten Peak / Transienten auf 0-ankommt. Oder stell ihn auf sehr schnell und hol alles zwischen den Transienten hervor. Oder, oder, oder … .

Für alle Kompressoren (und für Dich) gilt

Schnapp Dir Ausgangsmaterial und gönn Dir eine halbe oder sogar ganze Stunde mit dem Kompressor, um ihn  einfach mal einzustellen und dabei zuzuhören, was bei welcher Einstellung passiert. Und wenn Du Dir das alles nicht merken kannst, schreib Dir ein paar Positionen auf, die Dir ganz besonders gut gefallen. Dann kannst Du beim nächsten mal nachlesen und schauen, was gute Startpunkte sind. Oder speichere sie Dir als individuelle Presets ab. Nur durch ausprobieren und hören kannst Du später zielgerichtet zum einen oder anderen Kompressor greifen, denn Erfahrung kann man durch nichts ersetzen, außer durch mehr Erfahrung!

Deine Mitarbeit ist gefragt

Falls Du besondere Einsatzbereiche, Einstellungen oder Lieblings-Versionen der Kompressoren von einzelnen Herstellern hast, schreib sie mir und uns gerne in die Kommentare unter dieses Video. Vielleicht können wir so zusammen eine kleine Datenbank aufbauen, die verschiedene Einstellungen auflistet und dann der gesamten #RecordingBlogFamilie zugute kommt?! Danke auf jeden Fall schon mal für Deine Unterstützung und dass Du es bis ans Ende dieses Artikels geschafft hast!

 

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