Ich bezeichne mich durchaus selbstbewusst als Multiinstrumentalist. Das Keyboard ist allerdings immer eine absolute Herausforderung für mich. Nicht so wegen der einzelnen Instrumente und Sounds, sondern weil ich das Tastenspiel als chronischer Autodidakt einfach nie richtig gelernt habe. Und es gibt nicht nur einen guten Grund, Instrumente von Grund auf und fundiert zu lernen! Ein grooviges Hohner Clavinet oder ein schön breites Fender Rhodes bringen zudem noch mal einen ganz eigenen Anspruch an die Spielweise, als die gemeine Klaviersonate. Also was tun?

Ein Mikro ein,… Keyboard?

OK, der Titel passt nicht richtig zur Herausforderung “Ein Mikro, ein Song”. Nichtsdestotrotz spielen die Tasten im Remake meines Songs “Zähne auseinander” eine tragende Rolle. Also Keyboard anschließen und los gehts. Leider hat das 2i2-Audiointerface aus dem “Focusrite 2i2 Studio Set” keinen Midi-Eingang um ein Keyboard anzuschließen. Um dieses Problem zu umschiffen gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Du kaufst Dir ein Keyboard mit USB-Anschluss, das quasi direkt an den Komputer gesteckt werden kann (z.B. Native Instruments Komplete Control A oder S Serie), oder
  2. Du hast ein MIDI-Keyboard und kaufst Dir ein günstiges MIDI-Interface, wie zum Beispiel das Miditech MIDIFACE 2×2 (hier klicken)

Ist die erste Hürde genommen geht es  – bevor man zum einspielen kommt – erst mal um die Soundauswahl!

Mai Tai & Presence XT – Sounds und Instrumente im Übermaß

Da ich im Sinne de Herausforderung den Song mit Studio One 4 und ausschließlich mitgelieferten PlugIns aufnehme, kommen natürlich auch nur Sounds zum Einsatz, die bei Studio One 4 (SO4) dabei sind. ich habe zu diesem Zweck sowohl das Synthie-PlugIn Mai Tai als auch den ROMpler Presence XT aus SO4 genutzt. Für meinen Song musste ich dann vor allem folgende Sounds zu finden:

  • analog Lead-Synth fürs Thema / die Hook
  • Fender Rhodes MK 1, 2 oder Suitcase in zwei Varianten (einmal mono, einmal Stereo breit)
  • Hohner Clavinet (für den funky Stevie-Wonder Sound)
  • Bläser (also Brass) für die Einwürfe im letzten Refrain
  • Streicher (also Strings) für zusätzliches TopEnd im letzten Refrain

Also einiges zu tun, was zur Folge hat, dass allein die Suche nach dem perfekten Sound (oder zumindest dem, der gefällt) schon mal einiges an Zeit fressen kann. Da unterscheidet sich das Keyboard-spielen aus meiner Sicht auch deutlich vom Gitarrenspieler. Wobei ich hier mal die Frage aufwerfe, ob meine lange Suche nur daran liegt, dass ich meine Libraries einfach nicht gut genug kenne und daher nicht zielgerichtet suchen kann? Hmmmmm …..

Mai Tai und Presence XT liefern die Sounds

Mai Tai und Presence XT aus Studio One 4 liefern die Sounds für den Song

Keyboard für Anfänger, also alles in C

Beim ersten Anspielen meines eigenen (!) Songs auf dem Keyboard musste ich verstört feststellen, dass ich den Song in gitarrentauglichem E-Dur geschrieben habe. Bei der Gitarre gibt es aber keinen Unterschied zwischen schwarzen und weißen Tasten, beim Keyboard schon. Das bedeutet, dass alles, was ich auf dem Keyboard spielen möchte, für mich ungleich schwerer zu spielen wird. Ist ja auch klar, C-Dur hat keine schwarze Tasten, E-Dur dagegen vier! Als kleine Notlösung für ein großes Problem habe ich einfach bei allen Instrumenten, die ich beim Aufnehmen verwendet habe, die Stimmung um 4 Halbtöne nach oben gedreht. Dadurch rutscht der Song aus der E-Dur-Lage auf dem Keyboard in die C-Dur Lage und schwupps wurde er für mich als Noob deutlich einfacher spielbar. Ein hoch auf die moderne Technik, am Klavier gibt´s den Schalter nicht – leider oder zum Glück? Hmm, ich überlege noch …

Zum besseren Spielen habe ich die Spur einfach transponiert

4 Töne höher und schon spielt es sich einfacher für Ungeübte

Quantisieren für den (Groove-)Frieden

Die Zeit, die man beim Sounds suchen verbraucht hat kann man zumindest zum Teil wieder wettmachen, indem man eine nicht ganz so saubere Performance mal eben per Quantisierung geraderücken und an den Groove anpassen kann. DAs ist mit Audio-Material deutlich zeitaufwendiger. Ich jedenfalls quantisieren nahezu als Keyboard-Spuren durch, da ich nicht so sauber spiele, aber schon den Anspruch habe, dass alles in time (also zusammen) spielt. Das Quantisieren von Audio in Studio One habe ich übrigens hier schon mal näher beschrieben!

Weniger ist mehr, oder: Mut zur Lücke!

Bei den Keyboard-Aufnahmen spiele ich grundsätzlich erst mal alles ein, was immer mir einfällt, was im Original drin ist oder was dringend noch neu rein muss. Ich lasse meiner Kreativität hier freien Lauf und haue alles raus, was meine maroden Finger auf der Tastatur so hergeben. Natürlich habe ich am Ende der Aufnahmen dann viel zu viel Material zur Verfügung. Und hier kommt jetzt der zweite, fast noch wichtigere Schritt des Einspielens.,Dieser ist eigentlich eher im Bereich des Arrangements zu suchen als im Bereich Recording. Und zwar schneide ich in diesem Schritt nu alles weg, was zu viel ist. Ich dünne also n der ersten Strophe zum Beispiel mehr aus, als ein der zweiten Strophe oder im letzten Refrain. Ziel ist es, ein dynamisch wachsendes, aber stetig interessanter werdendes Klangbild zu haben. Dynamik und Abwechslung sind hier die Stichworte, die aber mit Sicherheit einer der wichtigsten Punkte bei der Erzielung eines professionellen Klangcharakters sind.

Fehler zulassen und kreativ überraschen lassen

Beim Wegschneiden, umkopieren und so weiter können natürlich auch Fehler passieren. Man löscht mehr als man eigentlich wollte, verschiebt Passagen an die falsche Stelle o.ä. . Ich persönlich liebe es, mich bei Fehlern von einem Ergebnis überraschen zu lassen, das ich bewusst so nicht gewählt hätte. Bestes Beispiel: Ich habe einen Clavinet-Part um eine Viertelnote zu weit nach vorne gezogen. Beim Abspielen ist es mir aufgefallen, aber nicht negativ. Ganz im Gegenteil. Der Groove hat sich dadurch umgedreht und machte das Ganze deutlich interessanter als vorher. Glück gehabt, man kann eben nicht alles vorhersehen oder planen.

Mittendrin, statt nur dabei

Wenn Du genau wissen willst, was ich alles gemacht habe, dann schau unbedingt ins folgende Video, denn direkt am Beispiel versteht man dann doch deutlich eher, was das oben geschriebene Wort tatsächlich bedeutet! Nächste Woche fahren wr mit den Gitarren-Aufnahmen per Mikro und Amp fort und ich bin jetzt schon gespannt, was mir dazu noch alles einfällt!

 

 

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