Vielleicht ist es Dir bei dem ein oder anderen Kompressor-PlugIn schon mal aufgefallen. Einige Modelle haben einen Mix-Regler. Also einen Knopf um irgendetwas zu mischen, aber was? Bei Hall oder Delay-PlugIns kennt an diesen Knopf ja, aber beim Kompressor?

Mix-Regler mit Vor- und Nachteilen

Um diesen Mix-Knopf zu verstehen muss man zunächst wissen, wann und zu welchem Zweck man diesen benötigt. Der Mix-Regler ist nämlich ein sehr hilfreiches Helferlein, das in bestimmten Situationen Vorteile hat, mindestens ein Nachteil soll hier aber auch nicht verschwiegen werden. Das Stichwort und damit der Einsatzzweck des Mix-Reglers ist parallele Kompression. Also die Kompression des Signals parallel und damit neben dem eigentlichen Signal. Die Idee ist, dass man das Hauptsignal unangetastet lässt und das gleiche Signal parallel auf einem separaten Kanalzug komprimiert, um es dann nach Geschmack hinzuzumischen. In diesem Zusammenhang wird auch gerne der Begriff „New York Compression“ genutzt, zu dem ich hier schon mal etwas ausführlicher geschrieben habe!

Parallel komprimiert

Zu diesem Zweck schickt man das zu bearbeitende Signal per Send auf einen Bus, in den man einen Kompressor lädt. Mit diesem Kompressor kann man ruhig recht handfest umgehen und das Signal mal richtig zerstören. Eine schnelle Attack und Release-Zeit, Kompressionsverhältnis von 4:1 bis 8:1 und den Threshold so einstellen, dass das Signal massiv komprimiert wird. Klingt allein für sich nicht besonders gut, muss es aber auch nicht. Denn nun der Trick: Dieses überkomprimierte Signal wird dem ursprünglichen Signal nur ganz vorsichtig hinzugemischt, sodass dieses zwar damit fetter, energiereicher und insgesamt besser klingt und im Mix durchkommt, aber eben nicht zu komprimiert klingt. Soweit die parallele Kompression.

Parallel mit Mix-Regler

Und was hat das jetzt mit dem Mix-Regler zu tun? Naja, der Mix Regler erspart Dir den Umweg über den Bus. Du kannst also einfach das Kompressor-PlugIn direkt in den zu bearbeitenden Kanalzug laden und auch hier wie oben beschrieben massiv komprimieren. Steht Dein Mix-Regler auf 100 % hörst Du nur diese komplette Kompression, steht er aber auf 0% hörst Du nur das Ausgangsmaterial.

Mix-Regler im Kompressor für parallele Kompression

Mix-Regler im Kompressor für parallele Kompression

So macht der Mix-Regler Sinn

Und damit erklärt sich der Mix-Regler auch schon: Stell ihn auf 0% und nun schieb ihn langsam höher. Du wirst feststellen, dass das komplett komprimierte Signal nun genau wie beim Fader auf dem Parallel-Bus dem Original das überkomprimierte Signal hinzu mischt. Wir sparen uns also den Umweg über den Bus und können direkt im Kanalzug parallel komprimieren – einfach mit dem Mix-Regler im Kompressor.

Anwendungsbeispiele …

Das funktioniert wunderbar bei Drums und Percussion, die so ein gehöriges Maß an „Energie tanken“ können. Sie klingen insgesamt energischer, durchsetzungsfähiger und damit einfach besser. Die parallele Kompression macht aber auch auf dem Master-Bus Sinn und kann hier in Maßen für mehr Dichte und einen ausgeglicheneren Mix sorgen. Und nicht zuletzt bei Vocals kann man damit für einen gleichmäßigere Energie und Dynamik in der Stimme sorgen, ohne dass diese stark überkomprimiert klingen. Quasi das beste aus beiden Welten!

… und ein Nachteil

Ein Nachteil soll hier aber nicht verschwiegen werden. So praktisch die parallele Kompression per Mix-Regler auch ist, man kann das parallel komprimierte Signal nicht vor dem dazumischen weiter bearbeiten. Willst Du also das überkomprimierte Signal eventuell noch mit einem Equalizer und/oder Saturation verfeinern, bevor Du es wieder dazu gibst, führt kein Weg an der ursprünglichen Variante mit dem parallelen Bus vorbei. Da das aber natürlich auch nicht die Welt an Rechenpower kostet, ist das aber wahrscheinlich mehr als zu verkraften!

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