Der TDR Nova (Download über diesen Link) ist ein kostenloser und wahnsinnig vielseitiger dynamische Equalizer, der für mich vor allem in einer echten Paradedisziplin groß aufspielt. Er schafft nämlich ohne große Probleme mehr Platz für die Musik in der Musik. Er sorgt also dafür, dass sich die Vocals noch besser in einen Mix einfügen lassen oder überhaupt erst ihren Platz finden.

Klingt zu kryptisch? Stell Dir vor Du hast einen fertig gemischten, fetten Beat und willst nun nachträglich noch Deine Rap-Vocals einfügen. Oder Du hast ein superdichtes Playback und möchtest nun Deinen Gesang hinzufügen. Oder der Mix von Deinem neuen Song ist klasse, aber irgendwie könnte der Gesang noch ein bisschen mehr mit der Musik verschmelzen.  Das sind nur drei Beispiele, bei denen der TDR Nova seine große Stärke ausspielen kann.

TDR Nova – Mitte/Seite-fähiger dynamischer Equalizer mit Sidechain

Die Überschrift sagt schon, welches Spezial-Feature wir vom TDR Nova benötigen und keine Angst, es klingt erst mal komplizierter als es eigentlich ist! Den wenn wir den Tipp in diesem Artikel einfach mal chronologisch durcharbeiten, erklärt sich sofort, was mit “dynamische M/S-Equalizer mit Sidechain” gemeint ist. Erst aber mal zum Einsatzgebiet, also wo musst Du das PlugIn reinladen?

Am Anfang war die Musik

Da wir in der Musik Platz für den Gesang schaffen wollen, sollte der TDR Nova auch hier zum Einsatz kommen. Hast Du also einen fertigen Beat oder ein Playback, dann lade den TDR Nova als letztes PlugIn in den Kanalzug, auf dem Deine Musik abspielt. Und falls Du einen kompletten Song gemischt hast, kannst Du ihn in den Bus TDR Nova, auf dem Deine Musik komplett zusammenläuft.

TDR Nova auf dem Musik-Kanal oder Bus laden

TDR Nova auf dem Musik-Kanal oder Bus laden

Bei mir ist das der “Mukke komplett”-Bus, auf den ich jeden Ausgang eines Musikinstrumentes oder Musik-Effektes umgeleitet habe. So stelle ich sicher, dass auf diesem Bus ausschließlich die Musik zusammengefasst wird – die Vocals haben mit dem “VOX komplett”-Bus ihr passendes Gegenstück. Falls Du wissen möchtest, wie man seine Musik so umleitet, also routet, dann schreib mir gerne mal “MUKKE KOMPLETT” unten in die Kommentare zu diesem Artikel.

Der TDR Nova als M/S-Equalizer

Ist das PlugIn also nun an Ort und Stelle, gilt es die richtigen Einstellungen vorzunehmen. In dem Zusammenhang könntest Du über den Begriff “M/S” stolpern und Dich fragen, was es damit auf sich hat. Alle Infos dazu habe ich schon mal in diesem Artikel zum Thema M/S-Equalizer genau erklärt, daher lies am besten erst mal dort nach, falls Du noch neu in dem Thema bist.

Jetzt nur soviel (und sehr rudimentär): Man kann ein Stereosignal sowohl als Links und Rechts betrachten, als auch als alles, was auf der Seite des Klangfeldes stattfindet und alles, was in der Mitte stattfindet. Und da die Vocals hauptsächlich in der Mitte des Klanggeschehens stattfinden, wäre es doch sinnvoll, wenn man auch nur dort auch mehr Platz in der Musik schafft und dabei die Seiten-Anteile der Musik komplett unangetastet lässt. Das geht mit einem M/S-Equalizer, den man in dem Fall nur auf das Mitte-Signal wirken lässt. Diese Einstellung nimmst Du wie auf dem Bild zu erkennen vor:

TDR Nova auf Bearbeitung des Mitte-Signals (SUM) einstellen

TDR Nova auf Bearbeitung des Mitte-Signals (SUM) einstellen

Wenn Du Dich wunderst, warum beim TDR Nova nicht Mitte und Seite zur Auswahl stehen, liegt das an der englischen Bezeichnung. Die lautet SUM und DIFF, also Summe und Differenz, wobei mit Summe das Mitte-Signal und mit Differenz das Differenz-Signal gemeint ist. Genaueres dazu wie gesagt im oben erwähnten Grundlagen-Artikel.

Platz für Rap und  Vocals schaffen, aber wo?

Nun gilt es zu entscheiden, wo im Frequenzspektrum denn Platz geschaffen werden soll. Was ist damit überhaupt gemeint? Nun, mit Platz schaffen ist lediglich gemeint, dass man in einem bestimmten Frequenzbereich der Musik durch eine leichte Absenkung mit dem Equalizer “Platz schafft”, sodass die Vocals in diesem Bereich – und nur dort – etwas präsenter als die Musik  wirken können. Da unser Ohr zum Beispiel im Bereich um 2 khz (2.000 hz) eine hohe Sprachverständlichkeit hat, wäre es also gut, in diesem Bereich auch entsprechend abzusenken, damit Dein Rap oder die Vocals besser zu verstehen sind.

Diese Frequenz ist natürlich nicht in Stein gemeißelt, aber in diesem Bereich liegst Du grundsätzlich nie verkehrt. Es lohnt sich aber immer auch ein wenig davor oder danach zu suchen, je nachdem in welchem Frequenzbereich die vorliegende Stimme am meisten präsent ist.

TDR Nova Frequenz bei 2 khz einstellen

TDR Nova Frequenz bei 2 khz einstellen

Such Dir nun ein Frequenzband im TDR Nova aus, in meinem Fall das Band 3 (III) und stell die Frequenz auf 2.000 hz und den Q-Faktor, also die Bandbreite des Filters auf 0,8 -1,5 . Der niedrigere Wert (0,8) beeinflusst einen größeren Frequenzbereich, der höhere Wert (1,5) einen schmaleren Frequenzbereich. Auch hier ist ausprobieren und hören angesagt, das macht aber erst Sinn wenn wir auch die letzten Einschränkungen vorgenommen haben. Am besten Du startest erst mal mit einem Q-Faktor von 1. Und falls Du noch genauer wissen willst, wie sich der Q-Faktor berechnet und wie sich sein Wert ergibt, dann empfehle ich Dir mal diesen Artikel von der Seite 13DB Tontechnik!

Ein dynamischer EQ ist oft besser als ein statischer

Kommen wir zur dynamischen Komponente beim TDR Nova. Gemeint ist, dass der Equalizer mit dieser Fähigkeit in die Lage versetzt wird, nicht nur einfach statisch und damit dauerhaft bei 2 khz abzusenken, sondern dies abhängig vom Quellmaterial zu machen. Das ist vor allem dann praktisch, wenn man nur hin und wieder in einem Frequenzbereich eine Überbetonung hat, ansonsten aber nicht. Würde man hier statisch absenken, wäre in unserem Beispiel dauerhaft ein Loch bei 2 khz, das aber vielleicht auf Dauer eher ungut klingen würde.

TDR Nova dynamisches Band mit dem Threshold Knopf aktivieren

TDR Nova dynamisches Band mit dem Threshold Knopf aktivieren

Besser ist es also, wenn man immer nur dann absenkt, wenn auch zuviel in diesem Bereich los ist und das kann man im TDR Nova nun so einstellen, indem man eben nicht mit dem GAIN-Regler im Frequenzband statisch und damit dauerhaft absenkt (der bleibt also auf 0 stehen), sondern dies dynamisch macht. Aktivieren kannst Du das Dynamik-Feature, indem Du beim TDR Nova im gewünschten Frequenzband unten den Knopf “Threshold” aktivierst. Ab jetzt reagiert der EQ dynamisch auf das Eingangssignal und über den Threshold-Regler (auf Deutsch Schwellwert)  kannst Du noch bestimmen, ab welchem Schwellwert dynamisch abgesenkt wird.

Killer-Feature Sidechain-Eingang

Bis jetzt reagiert der TDR Nova also schon mal dynamisch im gewünschten Bereich – soweit so gut. Der Trick ist aber jetzt, dass der dynamische EQ nicht auf eine mögliche Überbetonung im Frequenzbereich der Musik reagieren soll, sondern immer dann, wenn gesungen wird. Und zwar unabhängig davon, ob gerade zuviel oder zu wenig im Bereich 2 khz los ist. Er soll einfach immer dann bei 2khz dynamisch absenken, wenn gesungen wird. Das stellt sicher, dass immer dann, wenn Dein Rap oder Gesang einsetzt, auch genug “Platz” bei 2khz für die Vocals ist.

TDR Nova Sidechain Eingang auf extern umstellen

TDR Nova Sidechain Eingang auf extern umstellen

Dazu müssen wir dem TDR Nova also noch mitteilen, dass er ab sofort nur noch auf ein externes Signal als Steuersignal lauschen soll, das wir ihm über eine externe Sidechain zuführen. Hier sind tatsächlich zwei Schritte nötig, aber das schaffen wir jetzt auch noch. Stell zunächst einmal an der Sidechain ein, dass Deine Vocals (in meinem Fall der “VOX komplett”-Bus BUS 15) an der externen Sidechain als Steuersignal anliegen sollen. Nun nur noch den TDR Nova umstellen von interne Sidechain (“INT SC”) auf externer Sidechain-Eingang (“EXT SC”) und jetzt kann der Spaß beginnen.

Der Schwellwert macht den Unterschied

Wenn Du nach allen Einstellungen nun den Song abspielst, wird immer wenn gerappt oder gesungen wird, ein Steuersignal an den TDR Nova geschickt und Du musst jetzt nur noch den Treshold-Regler soweit herunterregeln, bis sich das Verhältnis Musik zu Gesang gut anhört. Meistens liegt dann eine Kompression im Bereich -3 bis -6 db im genutzten Frequenzband vor. Hier verlass Dich voll auf Deine Ohren, denn auch hier gilt nicht “viel hilft viel”, sondern eher weniger ist mehr. dreh also vorsichtig den Treshold-Regler herunter, bis es passt oder wenn Du unsicher bist, bis die Kompression bei 2 khz -5 bis -5 db nicht überschreitet.

Musik dynamisch absenken bei 2 khz mit Sidechain-EQ

Musik dynamisch absenken bei 2 khz mit Sidechain-EQ

Unauffällig, aber gut

Es ist vollbracht: Indem wir nur im Mitten-Signal des Stereofeldes, nur bei 2 khz und auch nur dann, wenn gesungen wird, dynamisch absenken, bleibt die Musik komplett intakt, der Gesang bekommt aber unauffällig mehr Platz in einem Frequenzbereich, in dem wir die höchste Sprachverständlichkeit haben – Klasse!

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