Ich „predige“ ja schon nahezu, dass man beim Abmischen immer auch einen Referenz-Song parat halten sollte. Also einen Song, den man im Wechsel mit dem eigenen Mix anhört um herauszufinden, wie in der professionellen Abmischung die einzelnen Lautstärkeverhältnisse, Effekte und auch Frequenzverteilungen gelöst wurden. Kleines Beispiel: Wenn man möchte, dass das eigene Schlagzeug vom Grundsound her nach Jon Bonham von Led Zeppelin klingt, dann kann man sich beim Abmischen einfach „Fool in the rain“ als Referenz zurechtlegen und dann ganz gezielt mit EQ und Kompressor darauf hinarbeiten, das man diesem Sound-Ideal zielgerichtet näher kommt.

„Wissen“ heißt nicht „Machen“

Wenn ich für Klienten oder Freunde mische, mache ich das immer so. Ich lasse mir zusätzlich zu den Spuren auch Referenztitel schicken, die den Geschmack des Kunden widerspiegeln. Damit stelle ich sicher, dass mein Mix hinterher auch ungefähr so klingt, wie es der Kunde im Kopf hatte. Bei meinen eigenen Songs lasse ich den Mix aber oft einfach laufen und höre erst am Ende des Mixes mal nach, wo ich wohl rausgekommen bin. Zum Einen, um zu überprüfen, wie zielsicher ich mittlerweile dem radiogewohnten Klangideal nahe komme, zum Anderen aber auch um meinen eigenen Stil nicht komplett zu verbiegen. Schließlich mischt ja jeder nach seinem eigenen Geschmack und nicht danach, was die anderen sagen oder erwarten.

Hilfe auch mal annehmen

Um am Ende des so erstellten Mixes aber dennoch zu überprüfen, wo ich sound- und frequenztechnisch herausgekommen bin, lohnt sich der Einsatz eines Match-Equalizers (auch Match-EQ genannt). Bei Logic Pro X ist dieser praktischerweise direkt mitgeliefert, man kann aber auch z.B. einen PRO Q2 von Fabfilter hierzu benutzen. Das Funktioins-Prinzip ist schnell erklärt:

Ein Match-EQ analysiert  die gegebene Frequenzverteilung, erstellt also eine Art akustischen Fingerabdruck sowohl des Songs als auch der Referenz und vergleicht anschließend beide miteinander. Das Ergebnis dieses Vergleichs ist eine EQ-Kurve, die einem ganz genau anzeigt, wo sich die beiden Signale unterscheiden.

Wissen ist Macht

Diese Erkenntnis kann man nun unterschiedlich nutzen. Zum Einen kann man die Schwachstellen, die einem die Analyse im eigenen Mix aufgezeigt hat, gezielt angehen und zum Beispiel bei zu viel Höhen alle höhenlastigen Signale etwas „entschärfen“. Oder bei zu wenig Mitten die entsprechenden Instrumente in dem Bereich entsprechend anheben. Man kann also ganz gezielt die Schwachsetllen im Mix ausbügeln, bis man dem Referenzsignal nach weiteren Analysen deutlich näher kommt.

Auf der anderen Seite heißt der Match-EQ auch deshalb so, weil er einen eingebauten Multiband-Equalizer eingebaut hat. Das bedeutet, man kann die ermittelte Frequenzkurve auch einfach auf den eigenen Mix anwenden und mal hören, ob der Mix dadurch besser klingt. Im Match-EQ von Logic kann man sogar angeben, wie stark der Match-EQ tatsächlich eingreifen soll. Also zu 100%, zu 75% oder vieleicht auch nur zu 50% – je nach Geschmack.

Da muss man mit umgehen können

Das Vergleichsergebnis zwischen eigenem Titel und Referenz ist dabei gnadenlos objektiv und zeigt einem ohne großartiges „Gegenhören“ quasi Schwarz-auf-weiß, wo die Schwachpunkte im eigenen Mix liegen. Wenn man sich mit dieser Erkenntnis aber nicht frustriert vom eigenen Mix abwendet, sondern diese Infos gezielt auf den Mix überträgt, hat man eine gute Chance, dass der Song nach diesem Procedere nebst Optimierungsmaßnahmen noch besser und vor allem professioneller klingt, also vorher.

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