Es gibt Fragen und Überzeugungen, die soweit ausarten können, dass die Lager mit ihren unterschiedlichen Meinungen fast schon religiöse Standpunkte beziehen. Bei uns im Studio heißt das zum Beispiel: LCR oder freies Panorama, Frequenzen unterhalb 100 hz nur im Center oder nicht, verzerrt oder clean oder eben: Mix in Mono oder nicht!

The times they are a changing

Früher hat sich diese Frage nicht gestellt, denn zumindest bis Ende der 70er-Jahre stand noch auf jeder Platte drauf, das diese auch in Mono abgespielt werden kann und auch die Radios dieser Zeit waren alle Mono, sodass man natürlich darauf geachtet hat, dass alle Elemente eines Mixes sowohl in Mono als auch in Stereo zu hören sind.

Aber wir schreiben das Jahr 2017 und wie wichtig ist Mono heute noch? Bisher war ich der Meinung, das es heute so wichtig ist wie früher. Die Radios sind noch immer Mono, der Handyspeaker in der Regel auch, in Discos wird Musik Mono konsumiert und auch der Supermarkt oder die Kirmes ist definitiv Mono!

Das Wichtige vom Unwichtigen trennen

Mein letztes Interview mit dem Echo-Gewinner und Unheilig-Produzenten Henning Verlage hat mich dann aber meine Position noch mal überdenken lassen. Denn Henning hat frank und frei von der Leber zugegeben, dass es ihm bei der Erstellung seiner Musik völlig egal ist, ob sie in Mono gut klingt oder nicht! Hört hört, so spricht also ein sehr erfolgreicher Pro. Henning sagt, dass es mittlerweile gang und gäbe ist, dass moderne Popproduktionen  in mono abgespielt überhaupt nicht mehr gut klingen.

„Du kannst viele aktuelle Produktionen nehmen und auf Mono drücken und die Hälfte fehlt. Es ist einfach egal!“

Klare Ansage eines Hit-Produzenten. In der Folge führt er aber dennoch aus, dass es ihm zwar egal ist, wie es in Mono klingt, dass er aber durchaus den Ansatz als Mix-Technik versteht. Will sagen: Auch wenn man seinen Mix nicht größtenteils in Mono anfertigt kann man dennoch durch das Drücken der Mono-Taste sehr gut überprüfen, ob einzelne Signale im Mix untergehen und vor allem, ob sich einige Signale frequenztechnisch maskieren oder die Phasen sich gegenseitig auslöschen (z.B. be fetten Synthsound und Bass/Kick). Denn wenn man es hinbekommt, dass sie sich in Mono nicht verdecken, klingt das Bild in Stereo gleich nochmal viel aufgeräumter.

Best of both worlds

Es ist also wie immer der Weg in der Mitte: Es kann uns zwar letztendlich egal sein, wie der fertige Mix in Mono klingt. Als Werkzeug beim Mischen ist die Mono-Taste aber dennoch von sehr großer Hilfe, da man so Frequenzmaskierungen und Phasenschwierigkeiten am besten überprüfen kann. Also, ran an die Monotaste, wenn Ihr Euch bei EQ und Phase nicht sicher seid und ansonsten Finger weg von der Taste, wenn der Mix fertig ist 🙂

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