Dies und Das, Homerecording, Mix-Praxis
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Ist mein Mix gut? | Anregungen, Gedanken und Fragen zur wichtigsten Frage im Homestudio

Tja, das ist sie, die Frage der Fragen, das Damoklesschwert über unseren Studiomonitoren, der Endgegner im Audiobereich. Aber kann diese Frage überhaupt irgendwie objektiv beantwortet werden?

Soooo viel zu beachten …

Natürlich gibt es ein paar Kriterien, die einen guten Mix ausmachen:

  • alle Instrumente sollten klar zu hören sein
  • kein Instrument sollte zu laut oder zu leise sein
  • nichts sollte übersteuern, es sei denn mit Absicht
  • Kompressoren sollten nicht all zu offensichtlich ins Geschehen eingreifen (außer mit Absicht)
  • Hall/Delay sollten nicht zu auffällig sein (außer mit Absicht)
  • u.s.w.


Und natürlich entscheidet auch die Qualität des Ausgangsmaterials über die Qualität des Mixes. Und damit meine ich nicht die technischen Voraussetzungen wie unverzerrte, sauber aufgenommene Signale. Ich meine

  • spielen alle Instrumente miteinander oder gegeneinander
  • stimmen die handwerklichen Leistungen der Musiker an ihren Instrumenten
  • singt der Sänger in time und in tune
  • ist das Arrangement interessant
  • passt der Text zur Musik
  • ist der Inhalt des Textes schlüssig
  • gibt es eine Hook mit Wiedererkennungswert
  • usw.

Beide vorgenannten Listen lassen sich fast unendlich erweitern, und doch gibt es auch noch einen weiteren Parameter oder besser eine Frage, die untrennbar mit der Ausgangsfrage verknüpft ist: Woran erkenne ich, dass mein Mix gut ist?

Vom Feeling her hab ich ein gutes Gefühl

Ich habe zum Beispiel neulich einen Mix zum zweiten mal gemacht und was soll ich sagen? Das Ergebnis war ein komplett Anderes als beim ersten mal. Und warum? Ich habe beide Male einfach frei Schnauze gemischt, also nach meiner Tagesverfassung, meinem Geschmack zu dem Zeitpunkt, meinen an dem Tag angepassten Hörgewohnheiten und Befindlichkeiten entsprechend usw. . Und das ist ja  auch klar, keiner von uns ist jeden Tag gleich gut oder schlecht drauf ! Und dass man anders mixt, wenn man den ganzen Tag  Helene Fischer anstatt Aerosmith gehört hat ist auch klar. Das alleine sind aber keine Faktoren, die einen Mix besser oder schlechter machen – sie machen ihn „nur“ anders! Und das ist auch OK, denn anders muss nicht gut oder schlecht bedeuten, eben nur anders 😉

Aber woran erkenne ich denn jetzt, ob mein Mix gut ist?

Nehmen wir mal ein Beispiel aus der Malerei: Sagen wir uns gefällt das Bild „Blauer Akt“ von Henri Matisse gut und wir möchten ein Bild mit genau dem Blau malen. Dann nehmen wir doch vermutlich ein Foto vom blauen Akt, halten ihn neben unsere Leinwand und mischen unsere Blautöne so lange, bis das passende Blau dabei rauskommt. Wir haben also einen Orientierungspunkt.

Alles eine Frage der Perspektive

Und so ein Orientierungspunkt steht uns natürlich auch im Studio zur Verfügung, nämlich wenn wir einfach unseren Lieblingstitel als Referenz mit unserem Mix vergleichen. Wenn Du dich also beschwerst, dass Dein Mix nicht so klingt wie die Titel im Radio, dann vergleich die beiden einfach so lange miteinander, bis Dein Ergebnis möglichst nah an die Referenz rankommt. Und das muss nicht unbedingt der Gesamtsound sein. Das kann sich auch nur auf den Sound des Schlagzeugs beziehen, oder auf dei Lautstärkeverhältnisse der Instrumente untereinander, oder das Verhältnis Gesang zu Band, oder die Hallräume, oder, oder, oder …

Natürlich darf man dabei nicht den Rahmen der eigenen „handwerklichen“ Möglichkeiten aus den Augen verlieren, denn die kann man sich nur mit viel Zeit und Erfahrung erarbeiten. Aber lass Dich dadurch nicht abschrecken, dnn wenn man schon mal hören kann, wo man hin will, ist der Weg gar nicht so schwer und weit!

Post Scriptum

Das geht übrigens durchaus sehr gut mit Stock-Plugins, denn die können fast alles, was man benötigt und vergesst deshalb nie: Es gibt zwar tolle Dritt-PlugIns da draußen, aber kein noch so toll verpacktes und angepriesenes Wunder-PlugIn sorgt für den Durchbruch und endlich radiotaugliche Mischungen. Das schafft Ihr nur mit Erfahrung und die kostet zwar kein Geld, aber viiiel Zeit. Aber zum Glück ist es echte Quality-Time (Neudeutsch für „gute Zeit“), denn wir machen das ja immerhin gerne, auch wenn der Weg manchmal sehr steinig und endlos erscheint. Also, keep on mixing!

7 Kommentare

  1. Ich denke, es ist wichtig, das einem selber der Mix gefällt, den man gebastelt hat. Es ist ja nicht gesagt, dass alles amtlich wie irgendwelche Referenzen klingen muss. Klar, ein paar tontechnische Grundlagen sollte man beachten. Aber wenn die passen, hat man alle Freiheiten. Nur so entsteht was Neues.

  2. Michael Deleglise sagt

    Hallo Jonas, hast du ein paar Tipps,wie denn das in Logic mit Punch-in Aufnahme etc. funktioniert? ich zermartere mir das Hirn, lerne die Logic-Hilfe fast auswendig, bin aber offensichtlich für diese Funktion zu doof. Dabei sollte es doch möglich sein, bestimmte Teile in der Voc-Spur zu markieren und beim drübersingen wird nur die markierte Stelle neu aufgenommen. Ich krieg’s nicht hin …. verzweifelt :-((((((

    • Hi Michael, ehrlich gesagt habe ich noch nie mit Punch-In / -Out gearbeitet. Wenn ich eine Stelle ausbessern möchte, dann setze ich mir einen Loop und singe die Stelle immer wieder ein, bis sie mir gefällt. Anschließend stehen die ganzen Versuche ja untereinander in meiner Spur und ich compe mir dann einfach den fertigen Teil rein. Hast Du schon mal mit Comping gearbeitet und ist Dir das Prinzip vertraut?

      • Michael Deleglise sagt

        Hallo Jonas, ja, das mache ich auch. Da bin ich mir dann nur immer unsicher, wie ich die Version, die mir gefällt, in die finale Spur bekomme. Meine Methode ist wahrscheinlich nicht so gut: ich entpacke das ganze und lösche alle anderen Versionen. Geht das auch „geschickter“? Die Logoc Hilfe ist da sehr vGe
        Liebe Grüße,
        Michi

        • Also wenn du dir aus allen Teilen deinen fertigen Take zusammengestellt hast, kannst du den Trackordner wieder schließen und entweder so lassen, oder aber – wenn du nur eine fertige Spur haben willst – einfach mit der rechten Maustaste draufklicken und „Reduzieren“ oder „Reduzieren und zusammenfügen“ klicken. Reduzieren lässt die einzelnen Teile stehen und entfernt alles Überflüssige, „Reduzieren und Zusammenfügen“ erstellt aus allen Teilen ein ganz neues Event, also eine ganz neue Aufnahme. Was du wählst ist Geschmacksache, wenn du aber hinterher noch mit Flex dran arbeiten möchtest ist „Reduzieren und Zusammenführen“ etwas komfortabler!

          • Michael Deleglise sagt

            Super, Danke
            Probier ich doch gleich mal aus
            Liebe Grüße,
            Michael

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