Hin und wieder sitze ich vorm Radio und höre einen neuen Song, der mich sofort in seinen Bann zieht. „Bad guy“ von Billie Eilish ist so einer. Nicht nur dass derSong sehr reduziert, aber dennoch fett klingt. Nein auch das Arrangement und vor allem Billies Art zu singen sind es, die einen nahezu in den Song reinsaugen. An dieser Stelle eine klare Anspiel-Empfehlung. Für die eher feingeistigen unter Euch sei aber empfohlen nicht das Video anzuschauen, denn dieses rangiert mit seiner sehr guten, gruseligen Stimmung irgendwo zwischen Exorzist und „ES“.

Vocal-Effekt als Sahnehäubchen / Hook

Der Effekt, der mein heutiges Thema ist kommt nach meiner Zählung nur einmal im gesamten Song vor, wirkt aber in der Gesamtstimmung des Songs so echt und richtig, dass es sich eben auch lohnt für nur eine Stelle etwas mehr Mühe aufzubringen. Das gilt übrigens für jeden Song, den wir schreiben. Frag Dich also beim Arrangement und häufigen Durchhören immer wieder, ob man an der ein oder anderen Stelle einen kleinen Hinhörer machen könnte, an die sich der Zuhörer auch später noch erinnert (eine klassische Hook) .

Wie wird der Effekt gemacht?

Als Kernkomponente benötigen wir für unseren Billie Eilish Sound derer zwei: Eine geflüsterte Dopplung des eigentlichen Gesangs und ein Tremolo. Zunächst erstellen wir also an der Stelle, die diesen Effekt bekommen soll, eine Dopplung und flüstern dabei den Text ins Mikro. Nun kannst Du diesen Flüsterer mit EQ und Kompressor sauber nachbearbeiten, so wie Du es für normale Vocals auch tun würdest.

Tremolo  als Grusel-Komponente

Kommen wir zur zweiten Kernkomponente, dem Tremolo. Das Tremolo ist wohl einer der ältesten künstlichen Effekte im Musikgeschäft (neben dem Feder-Hall). Er klingt, als wenn jemand am Kanal in einer festen Frequenz lauter und leiser machen würde. Das Signal „flattert“ also und je schneller man das Tremolo stellt, um so mehr flattert es und um so gruseliger klingt es – also genau passend für den Billie Eilish Effekt.

Das Tremolo folgt also auf EQ und Kompressor und wird mit einer Flatter-Frequenz von einer 32tel Note sehr schnell eingestellt. Wenn Du nun das flatternde Flüstern zu deinem normalen Vocal hinzumischt, bist Du schon fast am Ziel.

Stereo und Modulation

Ich habe nun noch mit einem Stereo-Maker von der PlugIn-Alliance (hier mehr Infos dazu) dafür gesorgt, das das Flüstern sich aus der Mono-Mitte an den Stereo-Rand verkrümelt. Anschließend noch einen Phaser für mehr Modulation und Bewegung drauf und das Ganze mit einem leichten Hall mit Tiefer versorgen – fertig!

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