Ohne einen externen Mikrofon-Preamp werden Deine Aufnahme niemals professionell klingen. Stimmt das? Brauchst Du wirklich einen separaten Mikrofon-Preamp, damit Deine Aufnahmen von Gesang, Rap, Podcast, akustischer Gitarre oder anderen Instrumenten endlich professioneller klingen? Die Antwort lautet grundsätzlich erst mal: Nein! Zumindest, wenn Dein Audio-Interface schon einen oder mehrere Mic-Preamps eingebaut hat.

Warum das so ist, wie Du einfach und ohne großen Aufwand die Qualität Deiner Aufnahmen verbessern kannst und warum es trotzdem gut sein kann, Deinem Audio-Interface einen Mikrofon-Vorverstärker vorzuschalten, erfährst Du in diesem Artikel!

Mic-Preamp für professionelle Aufnahme-Qualität?

Ein externer Mic-Preamp sorgt nicht automatisch für bessere Aufnahmen. Vielleicht für eine bessere Aufnahme-Qualität, aber nicht automatisch für bessere Aufnahmen. Und selbst bei der “Aufnahmequalität” mach ich auch noch mal ganz bewusst das “vielleicht” dran, denn falsch angeschlossen macht ein Mic-Preamp den Sound auch nicht besser, sondern schlechter – egal wie gut oder teuer der PreAmp ist!

Wie Du Deinen Mikrofon-Preamp richtig anschliesst und was Du dabei beachten solltest, das verrate ich Dir in diesem Artikel! Hier finden wir erst mal heraus, ob ein separater Mic-Preamp für Dich jetzt schon wichtig ist, oder, ob Du erst mal andere Dinge bei Deinen Aufnahmen optimieren kannst, bevor ein zusätzliches Gerät dann auch wirklich einen spürbaren Qualitäts-Gewinn bringt?!

Besser Aufnehmen -Sechs einfache Gratis-Tipps

Es gibt viele WEICHE Faktoren, die die Qualität und damit auch den Sound Deiner Aufnahmen beeinflussen – unabhängig vom PreAmp. WEICHE Faktoren deshalb, weil Du dafür kein Geld ausgeben musst und sie als Grundlagen für jede Art von Aufnahme wichtig sind. Dazu gehören

  • ein weitgehend nachhallfreier Raum, wahlweise Kleiderschrank oder Zimmer mit Teppichen und Bücherregalen
  • das richtige Einpegeln des Mikrofons ohne Übersteuerungen
  • richtiger Mikrofon-Abstand (ca. 10 – 20 cm)
  • Mikrofon-Disziplin, also imöglichst gleicher Abstand zum Mikrofon
  • ein Popfilter hilft gegen Pluosivlaute und den Abstand einzuhalten, und das allerwichtigste:
  • eine gute Performance vor dem Mikrofon!

Machst Du bei diesen 6 Basics alles richtig, kannst Du auch mit Equipment im Wert von 100 – 200 € schon gute Aufnahmen machen.

Mit Mikrofon gut Aufnehmen – ein Praxis-Beispiel

Wenn Du also bei der Aufnahme von Gesang, Rap oder auch für’n Podcast in einem relativ nachhallfreien Raum bist – wahlweise wie ich hier im Kleiderschrank stehst – , ein Mikrofon mit Nierencharakteristik hast, nah aber nicht zu nah am Mikrofon stehst und den Abstand zum Mikro auch möglichst stabil einhältst , dann musst Du das Mikro nur noch passend einpegeln und bekommst so erst mal eine ordentliche Aufnahme. Und wenn Sänger oder Rapper und auch INNEN ihren Text gelernt und geübt haben, oder wahlweise der/die Podcaster ohne ständige Schmatzer und “ähms” frei sprechen kann, dann wird es sogar eine gute Aufnahme.

Das solltest Du beim Aufnehmen vermeiden

Umgekehrt wirst Du mit einem zu leise,oder (noch schlimmer) mit einem zu laut eingepegeltem Mikrofon im leeren Büro und mit 50 cm oder mehr Mikrofon-Abstand auch keine halbwegs gut klingende Aufnahme hinbekommen. Wenn die Person vor dem Mikro gut ist, stimmt zwar wenigstens die Perfomance, aber über eine qualitativ gelungene Aufnahme müssen wir da nicht sprechen. Und Du merkst es schon, dann ist die Qualität oder das Preisschild des PreAmps auch egal, die Aufnahme ist unbrauchbar!

Wofür braucht man einen eigenen Mic-Preamp?

Kommt also die Frage auf, warum man glaubt, einen externen MicPreamp überhaupt zu benötigen? Weil man das irgendwo gelesen hat und man das halt so macht? Oder weil die Pros das ja auch so machen, dann kann es ja nicht schlecht sein? Hier kann ich Dich erst mal beruhigen, denn die Mikrofon-PreAmps in modernen Audio-Interfaces – also auch in Deinem – sind in der Regel alle geeignet, ein weitgehend unverfälschtes, sauberes Signal aufzunehmen, das den meisten Qualitätsansprüchen genügt.

Mic-Preamp im Audio-Interface hat zu wenig Gain oder rauscht

Falls der PreAmp aus Deinem Audio-Interface bei höheren Gain-Einstellungen anfängt unerwünschtes Rauschen hinzuzufügen, meistens so ab dreiviertel des Reglerweges, dann ist auch das fast egal. Zumindest wenn Du wie heute in modernen DAWs üblich in 24 bit oder besser aufnimmst (klick hier für mehr Infos dazu).

Dreh den Gain einfach wieder zurück, nimm einfach leiser auf und mach die Aufnahme anschließend ohne Rausch-Probleme in der DAW lauter. Warum das so ist und was genau dahintersteckt, habe ich Dir in diesem Video schon mal erklärt.

Aufholverstärker FetHead bei zu wenig Gain

Hat Dein Mikro Dir trotzdem zu wenig Gain, kannst Du für knapp 70 € auch einfach einen Mini-Aufholverstärker wie diesen Fethead hier dazwischen schalten. Der legt ohne klangliche Nachteile mal geschmeidig 15 – 20 db rauschfrei oben drauf und macht selbst aus einem klassisch ausgangs-schwachen Shure SM-7B ein echtes Output-Wunder.

Wenn Du es nicht so neutral magst, sondern ein bisschen klangliche Färbung haben möchtest, dann gibt es den FetHead auch mit einer Prise Salz und Pfeffer – oder um genauer zu sein mit einem nicht ganz klangneutralen, aber dafür um so griffiger klingenden Germanium-Transistor an Bord.

Was bedeutet Charakter und Sound bei einem Mic-Preamp?

Apopros klangliche Färbung. Das ist tatsächlich ein ECHTES Argument für einen externen Mikrofon-Vorverstärker. Denn klanglich weitgehend neutral kannst Du ja mit den PreAmps aus Deinem Audio-Interface aufnehmen. Die nehmen halt genau das auf, was reinkommt. Wenn die Pros aber über den SOUND eines MicPreAmps reden, dann meinen sie in der Regel nicht einen neutralen, unverfälschten Sound, sondern das, was diese MicPres dem neutralen Sound bei der Verstärkung noch hinzufügen.

Man nennt das dann Sound oder Charakter, rein technisch gesehen sind es zusätzliche Oberöne und Saturation, also je nach Verstärkungsgrad leichtere oder auch mal stärkere Verzerrungen. Und erst diese machen WIRKLICH Sound und bieten damit etwas, was ein neutraler Preamp im Audio-Interface nicht kann und auch nicht können soll.

Audio-Interface mit eingebautem Sound-Charakter

Es sei denn Du hast so einen Charakter-Schalter mit an Bord wie zum Beispiel der Air-Knopf in den Focusrite-Interfaces, die 610-er Emulation in den VOLT-Interfaces von Universal Audio oder bei SSL gibt es diesen “Charakterschalter” mit Namen Legacy 4K.

SSL 2+ Audio Interface mit 4K Legacy Schalter

SSL 2+ Audio Interface mit 4K Legacy Schalter

Was macht den Preamp-Sound aus?

Alle drei bilden das Oberton-Verhalten eines teuren PreAmps aber nur halbwegs nach. -quasi den Grundcharakter eines teureren Preamps. Damit gemeint ist eine durch die Schaltung und die Komponenten bedingte grundsätzliche Obertonstruktur und Prägung des Sounds. Das eigentliche Spiel mit dem Sound beginnt aber erst, wenn Du an dem PreAmp die Verstärkung und den Pegel vom Ausgang separat regeln kannst. Du kannst dann nämlich das Mikro auch heißer machen, also mehr Verstärken als eigentlich nötig, und dann mit dem Output-Regler das eigentlich viel zu laute Signal wieder so anpassen, dass es den Eingang von Deinem Audio-Interface nicht übersteuert. So kannst Du gezielt einen heißeren und damit charakteristischeren Sound aufnehmen, ohne dabei die Aufnahme zu übersteuern. Und dann liegt es nur noch an Deinem Geldbeutel, ob Du lieber den Röhrencharakter von einem Universal Audio 6176 haben willst, oder lieber den NEVE-Sound wie in meinem BAE 1073 oder vergleichbaren PreAmps von Warm Audio zum Beispiel, die zudem auch noch günstiger sind und AUCH Sound machen – also weit weg sind von neutral!

Alternativen zum professionellen Mic-Preamp

Falls Dein Geldbeutel das NICHT zulässt oder Du Dich bei der Aufnahme nicht schon auf einen Sound festlegen möchtest, kannst Du zum Beispiel auch nachträglich einen PreAmp-Sound hinzufügen. Entweder mit einem Saturation-PlugIn, den Sound von einem Focusrite oder SSL-Kanalzug oder eben einem Neve 1073 wie mit dieser klasse Nachbildung von Universal Audio. Und für letzeres brauchst Du seit neuestem nicht einmal mehr die teuren Interfaces oder DSPs kaufen und deswegen ist das vielleicht auch eine gute, Geldbeutel-schonende Alternative. Quasi das Beste aus beiden Welten: Neutraler Sound beim Aufnhemen, und virtueller Charakter später je nach Wunsch oder auch nicht?!

Fazit – was brauchst Du wirklich?

Brauchst Du also einen externen MicPre für bessere Aufnahmen? Nein! Brauchst Du einen externen MicPre für den Sound der Pros? Nicht unbedingt, das geht auch nachträglich mit Plugins. Möchtest Du das Spiel mit dem Sound und den PreAmp-Charakter direkt einstellen und aufnehmen können? Dann ja, aber es bleibt dabei: kein Must have für bessere Musik, denn die findet immer noch vor dem Mikro statt, aber ein absolutes very nice to have!

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