Es gibt gewisse Hörgewohnheiten, die einfach gelernt sind und so in die DNA übergegangen sind, dass man sie immer und überall wieder erkennt. Und dazu gehört ein ganz spezieller Fade Out eines Songs. Ich erinnere mich nicht mehr, wie oft ich die Anlage im Fade Out noch mal aufgedreht habe um zu hören, ob nicht doch noch etwas Besonderes passiert, das ich mir nicht entgehen lasen möchte. Aber wenn man diesen Fade Out auch mal im eigenen Song in der DAW nachbauen möchte, dann klingt das irgendwie nie wie die Fades auf der Lieblingsplatte. Warum eigentlich?

Fade Out wie die Profis

Ursprünglich wurde ein Fade Out vom Mix Ingenieur mit der Hand am Masterfader und viel Erfahrung „händisch gezogen“. Später – und das ist vielleicht der berühmteste Fade Out  der Musik-Geschichte – gab es einen Knopf beim SSL Bus Compressor, der in allen SSL-Konsolen als Herzstück eingebaut war. Dieser Knopf nennt sich AutoFade und wenn man diesen drückt, macht er wie von Geisterhand seine berühmtes FadeOut.

Alles selbst macht die Automation

Für einzelne Audio-Events im Song kann man mittlerweile in jeder DAW einen individuellen Fade Out festlegen. Bei Studio One 3 zum Beispiel einfach oben rechts beim Audio Event die Ecke anklicken und nach links ziehen – fertig. In Logic Pro X mit dem Fade Tool den Fade direkt einmalen oder von Hand im Inspector eingeben.

Fade Out im Event

weicher Fade Out direkt im Audio Event

Möchte man aber am Ende des Songs einen sauberen Fade Out haben, kann man ja nicht einfach bei allen Events von Hand einen Fade einbauen. Das Zauberwort heißt hier (wie so oft) Automation. Man könnte also alle Fader per Automation langsam nach unten fahren. Oder alle Kanäle mit einem VCA-Fader verbinden und diesen langsam herunterfahren. Am einfachsten ist aber die Automation des Master-Faders, also des Haupt-Lautstärkereglers! Für diesen legt man also eine Automationsspur an und legt die Automation nun so an, dass der Masterfader über einen gewissen Zeitraum – und so lange der Song noch ausläuft – langsam gen Null läuft. Bingo.

Funktioniert, klingt aber nicht wie gewohnt

Wenn man also nun eine gerade Automationslinie eingezeichnet hat und der Masterfader schön linear Richtung Null fährt, ist das zwar im klassischen Sinne ein Fade Out, klingt aber nicht so wie die Lieblingsplatte. Das liegt daran, dass die Kurve der Auto Fade-Funktioin im SSL Bus Compressor nicht einfach linear ausfaded, sondern bei der Fader-Fahrt eine Kurve fährt. Dies fährt am Anfang etwas schneller, dann aber immer langsamer zur Null-Position. Sie erinnert damit eher an eine liegende Cosinus-Kurve als an eine Gerade.

harter Fade Out

ein harter, linearer Fade Out mit Automation klingt nicht besonders organisch

Automatisch runtegemacht

Zum Glück gibt es in jeder DAW auch eine Funktion, mit der man bei der Automation nicht nur gerade, sondern eben auch runde-Automationskurven zeichnen oder zur Not von Hand einzeichnen kann. Mithilfe dieser Funktion ist es ganz einfach, die auf dem folgenden Bild ersichtliche Kurve für den Fade Out einzuzeichnen. Nun klingt der Fade Out – natürlich über die richtige Zeit von ungefähr 10 Sekunden – fast wie das Original.

eine weiche Kurve für den Fade Out per Automation

Original besser als die Kopie

Wenn Dir das absolut nicht reicht, Du aber keinen Platz für eine original SSL Konsole hast, gibt es dennoch Abhilfe. Auch wenn diese im PlugIn-Kaufhaus von z.B. Waves oder Universal Audio kostenpflichtig ist, lohnt es sich dennoch zuzuschlagen oder auf einen Sonder-Verkauf bei diesen zu warten. Manchmal sogar beim SSL Bus Compressor mit Auto Fade schon für 29 Dollar. Dafür bekommt man nicht nur den amtlichen Buskompressor für Drums und Master Bus, sondern quasi als Dreingabe auch noch den Auto Fade Knopf im Original. Und wenn man diesen nun per Automation an der richtigen Stelle auslöst, dann klingt es wie gewohnt: ein schöner, langsamer und organischer Fade Out, der einem vermittelt, dieser Song läuft bis zur Unendlichkeit … und noch viel weiter!

https://youtu.be/K2URrKDYzus

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