Als Ende der 1950er Jahre die ersten Stereo-Platten auf den Markt kamen, wurde dies für eine Mode gehalten. Niemand konnte sich einen sauteuren Stereo-Plattenspieler leisten. „Stereo ist eine Erfindung der Plattenindustrie“ war damals ein geflügeltes Wort. Aber ganz richtig ist das so nicht, denn sonst hätten wir ja auch nur ein Ohr! Richtig ist also, dass wir mit beiden Ohren unterschiedlich den Schall aufnehmen und dadurch unter anderem Entfernung und Richtung des Schalls sehr gut abschätzen können. Und das nicht nur in, sondern gerade wegen Stereo.

Und warum dann noch Mono?

Zunächst einmal mussten auch damals alle Platten Mono-kompatibel, also mono abspielbar sein, da ja nicht jeder einen Stereo-Abspieler sein eigen nennen konnte, wohl aber die Musik hören mochte. Das ist übrigens damals wie heute gleich, nur dass der Grund für Mono-Kompatibilität nicht die Unerschwinglichkeit eines Stereo-Gerätes ist, sondern schlicht und ergreifend die beschränkten Fähigkeiten des jeweiligen Abspielers: Handys, Tablets oder auch Radios! Aber auch Musik in Restaurants und Supermärkten etc. ist auch heute noch zu einem sehr großen Teil Mono.

Wenn´s Stereo gut klingt, sollte Mono auch gut klingen, oder?

Diese Annahme entbehrt sicherlich nicht einer gewissen Logik, richtig ist aber, dass zumindest zwei Probleme beim Mischen in Stereo nicht erkannt werden können und das sind Phasenauslöschungen und Maskierungen beim Abspielen in Mono.

In Stereo scheint ein Mix relativ schnell gut zu funktionieren. Jedes Instrument bekommt seinen Platz im Panorama: Bassdrum Mitte, Snare Mitte, Bass Mitte, Gesang Mitte, Gitarre vielleicht rechts, Piano links, Chorgesang links und rechts, genauso die Synthesizer, Hall immer Stereo und so weiter …

Man muss gar nicht lange an den Equalizern rumschrauben und schon steht der Mix. Dann mal kurz auf den Mono-Knopf gedrückt und … alles klingt komplett durcheinander. Die gerade noch gut gehörte Gitarre ist verschwunden, der Chor ist irgendwo ganz hinten und der Hauptgesang ist viel zu trocken und zu weit vorne.

Was ist passiert?

Beim Umschalten auf den Monoknopf wurden beide Seiten übereinander gelegt – erklingen also Mono – und nun sind die Instrumente, die eben noch sehr gut und klar links und rechts voneinander getrennt zu hören waren, kaum noch zu hören. Das liegt zum einen daran, dass sich bei gleichen Frequenzen die Signal-Phasen der Instrumente unterscheiden und damit auslöschen können (+1 und -1 ergibt zusammen 0). Zum anderen gibt es den psychoakustischen Effekt in unserem Hirn, dass  von zwei ähnlichen Signalen nur das lautere bewusst gehört, und das andere unbewusst ausgeblendet wird – das lautere Signal „maskiert“ das leisere.

Wie mischt man also in mono?

Und daher empfiehlt es sich, nachdem man seinen Mix zunächst in allen Kanälen lautstärketechnisch für einen groben statischen Mix eingestellt und die Instrumente im Panorama verteilt hat, ab sofort in Mono weiterzumischen. Denn wenn man dann ein Instrument nicht mehr oder zu laut hört, regelt man  es in Lautstärke, Equalizer oder Kompressor einfach so nach, bis es da ist, wo es akkustisch hingehört. Überdecken sich zwei Gitarren, passt man beide im Equalizer ein wenig an, sodass beide mehr Raum bekommen und einzeln gut hörbar sind. Gibt es beim Monomix bei einem Instrument Phasenauslöschungen, kann man einfach mal testweise die Phase drehen und schon ist es da, ohne den Mix zu verschieben.

Achtung: Magie!

Und das Tolle ist, wenn man nach dem Mix in Mono zufrieden ist und wieder auf Stereo schaltet, ist man total baff, wie gut der Track jetzt plötzlich klingt. Er ist deutlich luftiger, aufgeräumter, druckvoller, mit einem Wort: besser!

Es geht also nicht (nur) um die reine Mono-Kompatibilität des Tracks. Diese ist sicherlich ein sehr positiver Nebeneffekt. Nein, der Song profitiert durch  viel sorgfältigere Auswahl an EQ-, Lautstärke, Kompressor und Effekt-Entscheidungen so stark vom Mono-Mix, dass man meint, man hätte eine neue Stufe beim Mischen erreicht und wollen wir das nicht alle?

Also, Traut Euch, geht durch das „Tal der akustischen Tränen“ beim Mono-Mix und lasst Euch vom Ergebnis überraschen und verzaubern. Viel Spaß und Erfolg beim Ausprobieren!

 

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