Es klingt schon etwas paradox, aber gerade mit einem LowCut-Filter kann man für mehr Klarheit im Bassbereich sorgen. Das klingt um so verrückter, wenn man weiß, was ein LowCut eigentlich macht. Denn der LowCut (oder auch Hochpass/HighPass) ist ein Filter-Typ im Equalizer (EQ), der alle Signale-Anteile unterhalb einer gewissen Grenzfrequenz wegfiltert oder drastisch gesagt abschneidet. Aber wie bekommt man mehr Klarheit im Bassbereich, wenn man diesen eigentlich abschneidet?

LowCut-FIlter bei 100hz im Einsatz

Dieser Lowcut schneidet alles unterhalb 100 hz ab.

LowCut für (fast) Alle

Die Antwort ist ganz einfach, denn man setzt den LowCut-Filter nur bei den Spuren und Instrumenten ein, in denen zwar tieffrequente Signalanteile enthalten sind, diese aber nicht benötigt werden. Nehmen wir mal ein Piano oder auch Rhodes als Beispiel. Man spielt also einen schönen 10-Finger-Akkord und lässt diesen stehen. Das so erzeugte Signal hat und zeigt im Analyzer vom EQ mit Sicherheit auch eine Menge Signalanteile unterhalb von 100 hz. Für den Sound des Rhodes im Song sind diese aber meist nicht notwendig. Ganz im Gegenteil, sie nehmen Bass und Bassdrum unterhalb von 100 hz sogar noch „Platz“ weg und machen diese damit weniger druckvoll und klar.

Weniger ist mehr

Und damit ist das Prinzip auch schon klar. Man schneidet also bei allen Instrumenten, Vocals und Effekten, die nicht Bass oder der Bassdrum heißen oder damit zu tun haben, alles unterhalb von 100 – 200 hz ab. Denn was nicht da ist, kann auch nicht stören und lässt damit Bass und Bassdrum mehr Raum im Gesamtklangbild. Der Song bekommt automatisch mehr Druck und Definition im Bassbereich.

Hochpass in der Praxis

Wenn Du Dich jetzt fragst, wie man den LowCut denn jetzt genau einstellt, gibt es eine ganz einfache Methode. Nimm die Spur Deiner Wahl und aktiviere im Equalizer den LowCut. Wir ignorieren mal Filtergüte (Q) und Flankensteilheit (-6 bis -48 db / Oktave) und konzentrieren uns auf die Grenzfrequenz. Spiel die Spur ab und dreh die Grenzfrequenz nun soweit hoch, biss das Signal „untenrum“ dünn wird. An diesem Punkt bist Du ein wenig zu weit gegangen. Dreh die Grenzfrequenz nun also wieder ein wenig zurück und schon hast Du einen perfekten Punkt gefunden. Wir schneiden jetzt alle überflüssigen Signalanteile untenrum ab und verändert trotzdem nicht den Grundsound des eigentlichen Signals.

Warum ist das wichtig?

Wenn Du einen Song mit 10 Spuren aufgenommen und gemischt hast, kann dieses Verfahren vielleicht nicht ganz so spektakulär wirken. Wenn Du aber eine Session mit 50 oder mehr Spuren hast, zahlt sich das Ganze doppelt und dreifach aus. Denn man stelle sich vor, das tieffrequente „Gerumpel“ von 40 Spuren (50 ohne Bassdrum und Bass)  würde mit dem LowCut nicht abgeschnitten. Es würde sich summieren und zu einem Mulm im Bassbereich führen, der Bass und Bassdrum die Luft zum Atmen nehmen würde. Dann lieber mit einem LowCut einfach wegschneiden und Bingo!

OK, ma muss sich ein wenig daran gewöhnen, quasi reflexartig einen passenden LowCut zu setzen. Aber wenn man das erst mal als Automatismus drin hat, klingt einfach jeder Mix automatisch untenrum sauberer und besser. Und es kostet nichts, außer ein wenig Zeit, denn einen LowCut hat jede DAW kostenlos mit an Bord.

Und wenn Du noch mehr zum Thema EQ erfahren möchtest, dann schau doch auch mal hier in den EQ-Basics Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4!

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