Behind the tracks, Homerecording, Mix-Praxis
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Live fast unentbehrlich: Click-Track für Auftritte mit vorproduzierten Backings

Mitte der 1980er Jahre war es mehr als verpöhnt, den eigenen Bandsound mit Zuspielern aus Sequenzern oder vom Band zu „unterstützen“. Ich selbst musste mir 1987 nach meinem Besuch bei „Frankie goes to Hollywood“ in Dortmund vorwerfen lassen, dass die doch gar nicht richtig live gespielt haben, sondern viel vom Band kam. Dabei war mir das völlig egal, denn der Sound war bombastisch und die Show erst recht.

Heutzutage ist das kein Thema mehr, ganz im Gegenteil, denn durch die mittlerweile für Jeden erschwinglichen Produktionsmittel wie Mikros, Vorverstärker, Interfaces und Computer kann man mit ein wenig KnowHow ganz schnell einen Backingtrack erstellen, der der eigenen Band auf der Bühne das kleine Maß mehr an professionellem Sound verpasst – sei es durch zusätzliche Vocals, Synthesizer oder auch Bläser.

Bei Dir tickts wohl?!

Aber damit auch alle mit dem Backing sauber zusammenspielen, braucht es hierzu einen passenden Klick-Track oder Altdeutsch ein Metronom, welches dem Drummer anzeigt, wann der Song losgeht und vor allem in welchem Tempo er spielen soll. Auch wenn ein Metronom erst mal gegen die Drummer-Ehre geht („Alter, ich hab ein Timing wie ´ne Atomuhr“), musste selbst Dave Grohl nach seinem „ersten Mal“ zugeben, dass die Songs mit Klick irgendwie besser klangen. Böse Zungen behaupten aber, sein Producer Butch Vig hätte gesagt, er habe ein Timing wie ´ne Eieruhr 😉

Woher nehmen, …

Vorausgesetzt, man hat sich also entschieden, ein Laptop mit auf die Bühne zunehmen (steht sinnvollerweise beim Drummer) und dem Mischer über ein Audiointerface eine „Ergänzungsspur“ aus der installierten DAW anzubieten, muss man also nur noch das Metronom anschalten, oder?

Jein, denn der Klick soll ja nur beim Drummer zu hören sein, nicht aber beim Mischer am FOH. Daher macht es zunächst Sinn sich im Song, der idealerweise auf das passende Tempo des Backings eingestellt ist, das selbe auf eine Spur zu legen, die auf den Hauptausgang des Interfaces verweist und direkt mit dem Mischpult verkabelt ist. Dann legen wir eine zweite, identische Spur mit einer Kopie vom Backing an und weisen diese einem hoffentlich vorhandenen, zweiten Stereo-Ausgang am Interface zu, der idealerweise mit dem Kopfhörerverstärker des Drummers verbunden ist. Um jetzt noch einen Klick zu bekommen, erstellt man eine Spur mit einem Software-Instrument und wählt als Sound einen möglichst kurzen, stimmbaren Klicksound, wie zum Beispiel Klangstäbe und routet auch diesen Sound auf den zweiten Ausgang, der an den Drummer geht. Auf dieser Spur erstellt man sich nun ein Pattern, das in Vierteln spielt und als erste Note ein G5 (Velocity 127) und auf 2 – 4 ein etwas leiseres C5 (Velocity 100) spielt. Damit hat der Drummer immer eine gute Orientierung, wo im Takt er sich gerade befindet.

Wann geht´s endlich los?

Damit der Drummer auch einen echten Vorzähler bekommt, sollten die Backings erst im Dritten Takt beginnen, der Klick aber schon bei Takt 1. So hat man zwei Takte Vorlauf und kann damit dann auch die Kollegen gut im Song einzählen. Um das noch komfortabler zu machen, kann man im Takt eins nur die erste und die Dritte Viertel mit einem Ton versehen und erst ab dem zweiten Takt ein durchgängiges Viertelpattern nehmen. Dann klingt der Vorzähler wie bei den Großen: Eh One, Eh Two,  Eh One, Two, Three, Four.

Der Mix macht´s!

Damit sich der Klick bei einem aufwendigen Backing nicht „versendet“, kann man die Spur mit dem Backing des Drummer nun noch auf mono stellen und auf die linke Seite pannen und die Spur mit dem Klick auf die rechte Seite, so hat man beide Signale sauber von einander getrennt und kann beide gut hören. Perfekt wird das Ganze nun, wenn man sich vom Monitormischer noch ein Signal über die Eingänge vom Audiointerface zusätzlich dazumischen kann, damit man über das InEar bzw. den Kopfhörer auch den Rest der Band noch zu hören bekommt. Und wenn das Monitoring eh komplett über Boxen abläuft, reicht auch nur ein Stöpsel mit dem Klick im rechten Ohr und die Monitorbox auf der linken Seite.

In der Praxis könnt Ihr Euch diesen Song-Aufbau auch in meinem passenden Video dazu anschauen. Ich erstelle das Pattern zwar in Logic Pro X, das Prinzip ist aber allgemeingültig und damit auch in jeder anderen DAW umzusetzen, solange das Audiointerface als Grundvoraussetzung 4 Mono-Outs respektive 2 Stereo-Outs mitbringt. Schaut in diesem Zusammenhang doch mal auf das Focusrite Scarlet 2i4!

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