Wieder ein schönes englisches Wort: „level matching“! Aber was genau verbirgt sich dahinter und wie kann level matching der Schlüssel zum besseren Mix sein? OK, der sagenumwobene Wunder-Schlüssel zum automatisch besseren Mix ist auch das level matching nicht. Aber es kann deutlich helfen, die Mix-Entscheidungen mit Blick auf PlugIns zu überprüfen und besser zu bewerten. Der eigentliche Grund aber, warum wir hier tatsächlich über so etwas wie das fehlende Puzzleteil reden, liegt ganz woanders verborgen. Nämlich in der Art, wie wir hören!

Level Matching und die Art wie wir hören

Unser Ohr ist faszinierend und in Kombination mit unserem Gehirn zu den tollsten Leistungen im Stande. Allem voran das selektive Hören, also das gezielte „Heraushören“ von kleinsten Einzelheiten in einem noch so komplexen Mix. Und trotzdem hat auch unser Ohr mindestens einen Makel. Oder unser Gehirn? Na jedenfalls die Art, wie wir Signale hören, wahrnehmen und bewerten. Denn unser Ohr  hat die Eigenart lautere Signale automatisch als besser klingend zu bewerten. Das bedeutet, dass wir von 2 ansonsten identischen Signalen immer dasjenige als besser klingend bewerten, welches lauter ist. Und sei es nur um 1 oder sogar nur ein halbes db. Und das kann einen dramatischen Einfluss auf unser Mix-Verhalten und die damit verbundenen Entscheidungen haben.

Ist es besser, oder nur lauter?

Die Überschrift bringt es schon auf den Punkt. Nehmen wir mal einen Mix und legen auf die Vocals einen EQ. Nun heben wir das Signal bei 2 khz um 3 db mit einem Q von 1,0 leicht an und hören uns das Ganze im Mix an. Und oh Wunder, es klingt sofort besser und die Vocals setzen sich besser im Mix durch. Aber ist es wirklich besser, oder hat die Anhebung bei 2 khz nur dafür gesorgt, dass die Vocals ein bisschen lauter geworden sind? Wir erinnern uns: alles was lauter ist, klingt auch besser.

Das gleiche Beispiel können wir auch mit einem Kompressor durchziehen, der das Signal komprimiert und natürlich anschließend im Pegel verändert. Wie schön wäre es also, wenn sich der Pegel der Vocals durch die Anhebung im EQ oder den Kompressor nicht ändert und man daher ganz objektiv entscheiden könnte, ob es wirklich besser oder eben nur lauter klingt?

„to match“, englisch für „sich gleichkommen“, „passend sein“

Zu diesem Zweck muss man neben der Anhebung im EQ oder der Bearbeitung im Kompressor noch eine weitere Einstellung vornehmen, und die betrifft nicht die Bearbeitung des Signals als solches, sondern dessen Ausgangspegel. Denn level matching bedeutet nichts anderes, als dass der Pegel des Ausgangssignals sich vom Eingangssignal nicht unterscheiden soll. Man gleicht also Eingangs- und Ausgangspegel miteinander ab und schon kann man unbeeinflusst von einer möglichen Pegeländerung entscheiden, ob die Bearbeitung besser, gleich oder sogar schlechter klingt! Das Level matching hilft also nicht nur dabei, die eigene Mix-Entscheidung zu überprüfen, sondern auch, uns nicht von einer simplen Signal-Anhebung an der psychoakustischen Nase herumführen zu lassen.

Level matching von Hand oder automatisch

Um nun zu überprüfen, ob sich Eingangs- und Ausgangspegel gleichen, kann man dies entweder grob nach Gehör machen, oder etwas genauer mit einem Level-Meter. Für Letzteres sollte man als letztes PlugIn im Kanalzug ein PlugIn wählen, das den RMS-Pegel anzeigt oder wie das kostenlose Youlean PlugIn die LUFS (Loudness Units Full Scale) misst. LUFS und was sich dahinter verbirgt habe ich in diesem Artikel (hier klicken) mal etwas genauer erklärt! Jedenfalls aktiviert und deaktiviert man das PlugIn (z.B. den EQ) und vergleicht nun am Level-Meter, ob sich dabei der Pegel verändert. Nun gleicht man den Ausgangspegel im EQ oder Kompressor so lange an, bis sich Eingang und Ausgang gleichen. Anschließend kann man ganz neutral entscheiden, ob und wie sich die Bearbeitungen im PlugIn wirklich im Mix auswirkt. Nur eben ohne sich von der Pegeländerung hereinlegen zu lassen.

Mittlerweile gibt es aber auch einige PlugIns – leider immer noch zu wenige – die das level matching automatisch vornehmen. Wobei man hier aufpassen sollte, dass die Funktion auch aktiviert ist – automatisch ist sie das nömlich nicht immer. Der Fabflter Pro Q 2 hat z.B. einen leicht zu übersehenden Schalter, mit dem man das level matching aktivieren kann. Der TDR Nova EQ wiederum hat diese praktische Einstellung gleich von Haus aus aktiviert. Ist der Knopf aber aktiviert, kann man ruhig drastische Änderungen vornehmen, die Ein- und Ausgangspegel ändern sich nicht. Und so bleibt die Mixentscheidung das, was sie auch sein soll: Geschmacksache!

Bei welchen PlugIns ist das überhaupt nützlich?

Für mich gehört das level matching jetzt auf jeden Fall zum erweiterten Kreis der „7 Dinge, mit denen ich meinen Mix abschließe„. Denn es hilft überall da, wo sich durch ein PlugIn der Pegel des Signals ändert. Das betrifft wie schon gesagt vor allem Equalizer und Kompressoren, aber beispielsweise auch die Emulationen von MicPreamps (also Mikrofon-Vorverstärkern) und meinen geliebten Camel Crusher. Und sogar der Console Shaper aus Studio One 3 ist hiermit gemeint. Denn mir ist aufgefallen, dass diese Konsolen-Emulation allein deswegen schon besser klingt, weil sich der Gesamtpegel dadurch anhebt. Netter Trick, aber ab jetzt lass ich mich dadurch nicht mehr blenden – und Du?

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