Dein Song ist fertig, aber die Vocals stehen irgendwie allein in der Mitte vor der Musik und scheinen kein echter Teil vom Song zu sein? Die Musik ist zwar gut gelungen, aber die Hauptstimme will sich einfach nicht ins Playback integrieren? Wenn Dir dieses Problem auch bekannt vorkommt, kann Dir vielleicht ein kleiner Kniff helfen, Deine Vocals nicht nur etwas größer zu machen, sondern auch besser mit der Musik zu verbinden. Und das Ganze ohne Hilfe von teuren zusätzlichen PlugIns.

Vocals leicht verstimmt

Um die Stimme besser mit dem Mix zu verbinden, muss man eigentlich nur etwas dagegen unternehmen, dass Dein Hauptgesang Mono und allein in der Mitte steht. Zu diesem Zweck duplizieren wir die Gesangsspur zunächst noch zwei mal, sodass wir den Gesang nun auf insgesamt drei Spuren vorliegen haben. Die Hauptspur bleibt in der Mitte, die anderen beiden Spuren stellen wir im Panorama auf ganz links und ganz rechts außen. Bis hier hin haben wir die Vocals aber noch nicht verbreitert, da ja auf allen Spuren alles gleich ist – bis auf das Panorama! Nun „verstimmen“ wir die linke und die rechte Spur ein klein wenig.

Von halben Tönen und hunderten Cent

Jeder weiß, dass eine Oktave aus 12 Halbtönen besteht. Und jeder Halbton ist wiederum in 100 Cent unterteilt. Eine Verstimmung um plus 100 Cent würde also die Anhebung der Tonhöhe um einen Halbton bedeuten. Da dies mit dem Originalsignal zusammen furchtbar klingen wird, verstimmen wir die linke und rechte Seite nur ganz leicht und zwar um 10 bis maximal 20 Cent! Das geht zum Beispiel mit einem Pitch-PlugIn, bei dem man den Mix auf 100% Wet – also 100% bearbeitetes Signal – stellt. Dann wählt man eine Verstimmung um plus 20 Cent (linke Seite) bzw. minus 20 Cent (rechte Seite). Alternativ kann man diese Einstellung bei Studio One oder Logic Pro X auch direkt im Inspektor für die Audio-Events einstellen.

20 Cent Anhebung im Inspector

In Studio One die Stimmung einfach im Inspector beeinflussen

Stimmung der Vocals in Logic beeinflussen

Auch in Logic kann man die Stimmung im Inspector beeinflussen

Schon wieder Haas-Effekt

Nachdem die Spuren für links und rechts nun schon verstimmt wurden, nutzen wir nun zusätzlich noch den Haas-Effekt. Dies führt zu einem breiteren Stereo-Bild und hilft, die neuen Spuren akustisch noch mehr von der Hauptspur zu trennen. Zu diesem Zweck ziehen wir das Signal der linken Spur um 10 – 20 Millisekunden (z.B. -20 ms) nach vorne. Gleichzeitig verzögern wir das Signal der rechten Spur um 10 – 20 Millisekunden (z.B. + 20 ms). Falls Dir der Haas-Effekt noch kein Begriff sein sollte, kannst Du gerne —> hier <— klicken und nachlesen, was es damit auf sich hat! Auch diese Beeinflussung kann man im jeweiligen Inspector einstellen, dieses mal allerdings (je nach DAW) entweder auf die einzelnen Audio-Events angewendet, oder auf die gesamte Spur! Alternativ kann man natürlich auch ein Mono-Delay in die Spuren laden. Auf 100% wet und 0% dry (trocken) stellen und dann um 10 – 20 ms verzögern bei 0% Feedback.

Spur zeitlich verzögern mit einem Delay – leider nur zur Verzögerung!

Leider kann man mit einem Delay nur verzögern, nicht vorziehen. Daher müsstest Du, wenn Deine DAW keine eigene Verzögerung für die Spuren anbietet, die Delays so einstellen, dass das Delay für die linke Seite  um 10 ms und das für die rechte Seite um 20 ms verzögert!

Bis zur Hörgrenze, und auf keinen Fall weiter

Nun haben wir die neuen Spuren im Vergleich zur Hauptspur unterschiedlich verstimmt und zeitlich verschoben. Spielen wir die Spuren aber jetzt solo ab, bekommen wir einen ziemlich breiten, phasigen Soundbrei, der nicht zu gebrauchen ist. Daher ziehen wir zunächst die neuen Spuren für links und recht komplett runter. Wieviel wir jetzt von diesen beiden Spuren wieder dazugeben ist natürlich Geschmacksache. Allerdings sollte man auf jeden Fall im Kontext, also mit kompletter Musik und Hauptstimme dazu regeln. Starte also den Song und nun kannst Du die neuen Spuren bis an die Wahrnehmungsgrenze  hochziehen.

Das Ergebnis sollte sein, dass die Stimme insgesamt etwas größer, breiter und besser im Mix verankert klingt. Kannst du die neu hinzugefügten Spuren allerdings klar wahrnehmen und die Hauptstimme beginnt phasig zu klingen, dann musst du wieder ein Stück zurück regeln. Das Ergebnis Deiner Bemühungen kannst Du am besten überprüfen, wenn Du die neuen Spuren abwechselnd stumm schaltest und wieder dazu gibst.

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