Ich bin jetzt schon so oft gefragt worden, wie ich meine Stimme für die Tutorials mische und da war es ganz klar an der Zeit hier mal einen Blick hinter die Kulissen zu geben.

Was heißt hier Dynamik? Ich kann nicht lauter!

Bei Sprache und mit Blick auf die Sprachverständlichkeit gilt es, das sehr dynamische Instrument „Stimme“ stark einzubremsen und dafür zu sorgen, dass sowohl die lauten als auch die leisen Passagen, Vokale und Wortendungen gut zu verstehen sind. Außerdem sollte die Stimme klar und deutlich klingen, also keinerlei Matsch und Mumpf enthalten. Dies vorausgesetzt sind die Werkzeuge zur Sprachbearbeitung also schnell benannt: EQ und Kompressor/Limiter!


Viel hilft viel

Ich benutze hier zunächst einen EQ, den ich nur zum „Aufräumen“ einsetze. Er filtert mit einem LowCut alles unterhalb 80 – 100 hz rigoros weg. Anschließend räume ich den unteren Mittenbereich auf und entferne störende Frequenzen, um den Mumpf (150 – 250 hz) und den pappig-klingenden Bereich (400 – 600 hz) zu bereinigen. Anschließend vielleicht noch eine kleine Anhebung (max 3 db, relativ breiter Q) irgendwo zwischen 1 bis 3 khz um die Sprachverständlichkeit zu fördern.

Nach dem Aufräumen kann man nun mit einem weiteren EQ (quasi mit „breitem Pinsel“) noch mal drüber gehen und je nach Geschmack die Höhen mit einem HiShelve anheben (oder absenken), was auch für den Bassbereich gilt.

Unter Druck …

Okay, jetzt klingt es gut, also geht´s jetzt der Dynamik an den Kragen. Ich bevorzuge hier zunächst zwei Kompressoren, die beide nicht zu heftig ins Klanggeschehen eingreifen sollen. Der erste bekommt eine längere Attack (10 ms) und eine sehr schnelle Release-Zeit (so schnell wie möglich), Ratio 4:1 und Threshold so, dass ca. 4 – 5 db komprimiert wird. Dann mit dem MakeUp-Gain die 5 db wieder reindrehen und damit aufholen. Der nächste Kompressor bekommt eine mittlere Attack (20 ms) und eine mittlere Release-Zeit (50 ms), Ratio noch mal 4:1 und auch eine Pegelreduktion von ca. 4 – 5 db – wieder das MakeUp-Gain nicht vergessen.

Push me to the Limit

Damit hätten wir schon mal bis zu 10 db Dynamik aus der Stimme rausgenommen, was auch relativ leise Passagen gut verständlich machen sollte. Laut machen wir das Ganze nun wieder mit „breitem Pinsel“, der in diesem Fall ein Limiter ist. Stellt die Ceiling (oder den Output-Level) am besten auf – 1 db, damit auch wirklich kein Peak übersteuert und dreht dann das Input-Gain so auf, dass die mittlere Lautstärke (RMS-Pegel) im Bericht von -9 bis -12 db liegt. Bei Studio One kann man das direkt im Plugin sehen, bei Logic und anderen DAW sollte ein Level-Meter dabei sein, der auch den RMS-Pegel anzeigt.

Ende gut, alles gut

Und das sollte es auch schon gewesen sein. Die Stimme klingt schön, ist dynamikarm und damit konstant und gut zu verstehen. Klingt einfach ist es auch, muss man aber trotzdem Üben und dabei wünsche ich Euch nun viel Spaß!

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