Akustik-Gitarre und Gesang gleichzeitig aufnehmen oder getrennt? Die Antwort auf Fragen wie diese können einen schon fast religiösen Charakter haben. Daher wollen wir uns dem Thema heute mal von der rein praktischen Seite nähern und schauen, welche Vor- aber auch Nachteile die eine oder ander Methode mit sich bringen. Die Bewertung überlasse ich dann gerne Dir, denn – soviel sei verraten – beide Methoden haben etwas für sich!

Wer hören will muss fühlen!

Ich habe der Einfachheit halbe mal einen meiner Songs rein akustisch aufgenommen, und zwar einmal Gitarre nd Gesang zusammen und einmal voneinander getrennt. Da diese beiden Aufnahmen unsere künstlerische wie akustische Referenz sein soll, kannst Du hier mal reinhören und selber entscheiden, welche Variante Dir am besten gefällt.

 

Gesang und Gitarre zusammen aufnehmen

Nimmt man Gitarre und Gesang gemeinsam auf, ergeben sich deutliche Vorteile. Gefühlt stellt man die Mikros auf, der Singer-Songwriter stellt sich hin, singt und ist fertig – Bingo! Ganz so einfach ist es zwar nicht, aber es hat schon Vorteile den Song am Stück und in Tateinheit von Gitarre und Gesang aufzunehmen. Denn man ist tatsächlich nach dem kompletten (und hoffentlich zufriedenstellenden) Durchlauf fertig – zumindest mit der Aufnahme. Dabei wirkt die Performance des Künstlers immer mehr aus einem Guss, wenn Instrument und Stimme direkt bei der Aufnahme miteinander interagieren.

Gesang und Gitarre getrennt voneinander aufnehmen

Aber auch das getrennte Aufnehmen von Stimme und Gitarre bzw. Instrument hat Vorteile. Mit Blick auf die Performance kann man jedem Teil die nötige Perfektion angedeihen lassen, die er verdient. Ist man mit der Gitarrenaufnahme unzufrieden, macht man sie halt nochmal. Läuft aber dabei nicht Gefahr, nur wegen einem Spielfehler auf der Gitarre eine geniale Gesangsperformance zu verlieren, da der Gesang ja erst später aufgenommen wird. 

Konzentration und technische Perfektion der Einzel-Aufnahme ist auch ein Thema, denn muss sich der Singer-Songwriter nur auf eins konzentrieren – also Instrument oder Stimme – kann er natürlich deutlich filigraner, technisch ausgereifter und virtuoser agieren. Schließlich muss er seine Aufmerksamkeit ja nicht zwischen zwei gleichzeitigen Aktionen aufteilen. Also ergibt getrenntes Aufnehmen 100 % Aufmerksamkeit für 100 % Performance.

Zudem ist die Mikrofonauswahl etwas leichter, da man bei der Auswahl mehr auf den Klang achten kann und weniger im Blick behalten muss, dass die Mikros möglichst wenig Umgebungsgeräusche (Mic-Bleed) und damit auch Gesang einfangen. Ist ja logisch: singt der Künstler beim Gitarre spielen, landet der Gesang unweigerlich auch in den anderen Mikros und damit auch auf anderen aufgenommenen Spuren..

Gesang und Gitarre zusammen abmischen

Beim Mix der Gesamtaufnahme von Stimme und Instrument sollte man auf jeden Fall die Phasenlage der einzelnen Spuren untereinander kontrollieren. Denn wie bei einem Schlagzeug, wo ja auch eine Performance mit mehreren Mikros aufgenommen wird, können beim Singer-Songwriter Unterschiede in der Phasenlage der aufgenommenen Signale zu Frequenzauslöschungen führen, die den Mix schwierig gestalten. Der Sound verliert Druck, Transparenz und klingt hohl. Alles Eigenschaften, die zumindest ich gerne vermeide.

Des Weiteren sollte man beim Abmischen der Gesamtaufnahme ein wenig zurückhaltender mit Kompression vorgehen, da ein Kompressor zwar laute Teile leiser macht und in der Dynamik angleicht, mit dem Make Up Gain aber anschließend leise Teile der Aufnahme lauter macht. Sollte das aber beim Gesang die eingestreute Gitarre oder bei der Gitarre eingestreuter Gesang sein, kann das den Mix ähnlich wie die Phasenlage schon mal durcheinander würfeln. Hier ist also Vorsicht geboten.

Die Einstreuungen in den anderen MIkros können aber durchaus im positiven Sinne auch für einen Mix aus einem Guss sorgen. Also einen Soundeindruck, den man bei Einzelaufnahmen oft mit künstlichen Raumanteilen zu erzielen wünscht, aber nicht immer schafft!

Gesang und Gitarre getrennt voneinander abmischen

Getrennt aufgenommene Signale haben kein Mic-Bleed der anderen Signale – Punkt! Damit kann man bei der Bearbeitung im Mix machen, was gefällt und muss nicht Rücksicht nehmen, weder bei Kompression, EQ oder sonst einem Trick.

Des Weitern kann man sich aus den Einzelaufnahmen natürlich auch einen perfekten Take zusammen compen, denn wenn keine Gitarren-Einstreuungen unter dem Gesang liegen, die beim Comping vielleicht anders klingen, als das, was die Gitarre eigentlich spielt, ist auch das Comping ohne weiteres möglich. Die bestmögliche Performance sowohl an Instrument als auch Stimme ist also nur eine Bearbeitung weit entfernt!

Fazit, oder was ist denn jetzt besser?

Die Vorteile Gitarre und Gesang getrennt voneinander aufzunehmen liegen eigentlich auf der Hand. Alles wird einfacher: Aufnahme, Mix, Editierung und Qualität der Einzel-Performances. Und trotzdem empfinde ich die Aufnahme von Gesang und Gitarre zusammen als organischer, intensiver und damit echter als der Mix aus Einzelaufnahmen. Vielleicht, weil man beim einzeln Aufnehmen zu viel Möglichkeiten und damit zu viel Zeit zum Nachdenken oder rumprobieren hat. Die Gesamtaufnahme kommt da deutlich mehr aus dem Bauch, ist aber schwerer im Mix zu handhaben und die Aufnahme sollte auch insgesamt gut sitzen und am besten an einem Stück erfolgen (Stichwort One Take).

Hier eine Entscheidung zu treffen nehme ich mir nicht heraus, bin aber sehr gespannt, welche Variante die für Dich beste ist. Lass es mich gerne in den Kommentaren unter diesem Artikel oder unterm Video wissen. Und vielleicht hast Du ja noch den ein oder anderen Trick auf Lager, der auch meine zukünftigen Aufnahmen noch ein bisschen besser gestalten kann?!

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