Nachdem wir letzte Woche mit dem Abbey Road Hall Trick in Vereinigten Königreich weilten (hier klicken für diesen Artikel), geht´s heute über den großen Teich und zwar genauer nach New York. Wie schon so oft ist der New York Kompression Trick (englisch New York Compressioin Trick) mit dem Ort verbunden, an dem er erfunden. Zumindest aber wurde er  dort sehr häufig angewendet. Und allen, die mir jetzt entgegenrufen, dass es sich dabei doch nur um eine „simple“ Parallel-Kompression handelt, denen rufe ich mutig entgegen: STIMMT – bis auf zwei Kleinigkeiten!

Bobby Owsinski

Bobby Owsinski ist nicht nur ein brillanter Audio-Ingenieur, nein, er hat auch ein wirklich Bibel-ähnliches Buch zu unserem Lieblingsthema geschrieben. Es handelt sich dabei um das Standard-Werk „Mischen wie die Profis“ und sollte in jedem guten Heimstudio griffbereit liegen. Ich habe es seit Jahren, mittlerweile in der neuen, überarbeiteten Version und kann es nach wie vor sehr empfehlen. Du kannst es z.B. unter folgendem Affiliate-Link bei Amazon kaufen: https://amzn.to/2IlC9Jo (Affiliate Link bedeutet, dass ich ohne dass es für Dich teurer wird eine kleine Provision von Amazon bekomme, mit der Du mich unterstützen kannst).

Diesem Bobby Owsinski jedenfalls fiel vor vielen Jahren auf, dass hauptsächlich Ton-Mischer aus New York diesen Trick benutzen. Und so taufte er den Trick kurzerhand zum New York Kompression Trick. Zumindest spricht so die Legende, die seitdem von den Vätern an die Söhne (und Töchter natürlich) weitergegeben werden.

Kompression für die Rhythmus-Gruppe

Die Grundidee des New York Kompression Trick ist, dass man speziell das Schlagzeug gerne sehr heftig komprimieren möchte, um den Drums so richtig Power zu verleihen. Mit starker Kompression kann man vor allem den Raum und den Nachklang der Trommeln und Becken so richtig schön nach vorne holen. Das Drumset klingt deutlich aggressiver und damit energiereicher. Das Problem gibt es nur ein Problem: Ein Drumset „verliert“ bei starker Kompression die Transienten, also die Anschlagsgeräusche der Trommeln. Der Sound wirkt also weniger knackig und weniger direkt. Was also tun?

Man könnte doch zwei Signale miteinander mischen. Und zwar eins mit Transienten, und eins mit sehr heftiger Kompression. Wenn das ganze (wie in modernen DAWs üblich) ohnen einen Zeitunterschied (Stichwort Latenz-Kompensation oder Latenz.Ausgleich) zwischen beiden Signalen abläuft, bekommt man so das beste aus beiden Welten. Man erhält die Transienten und kann gleichzeitig das stark komprimierte Signal dazu mischen.

Also doch Parallel-Kompression

ür den Trick erstellt man zunächst einen Bus und schickt per Send das Schlagzeug auf diesen Bus. In diesen Bus lädt man nun einen Kompressor und stellt die Attack-Zeit auf schnellstmöglich und die Release mit 800 ms auf relativ langsam (je nach Geschmack irgendwo zwischen 500 und 1.000 ms). Die Ratio auf 8:1 oder sogar 12:1 und den Threshold so einstellen, dass der Kompressor heftig zwischen -10 und -15 db komprimiert. Hier kannst Du am besten einfach ausprobieren, lass Dich aber nicht davon irritieren, dass der Drumsound zunächst ziemlich zerstört wird. Nun spielt man die normale Drumspur ab und schiebt den parallel komprimierten Sound je nach Geschmack dazu.

2 Kleinigkeiten für den New York-Faktor

Soweit, so normal. Der New York-spezifische Teil besteht nun aus zwei weiteren Zutaten. Zum einen wird hinter den Kompressor der Parallel-Spur ein EQ geladen, der per Low- und Hi-Shelve jeweils Bass und Höhen etwas anhebt. 3 db bis 100 hz und 3 db ab 10.000 hz sollten einer guter Startpunkt sein. Außerdem wird beim New York Kompression Trick neben dem Drumset auch der Bass auf den Parallel-Bus geschickt und mit den Drums zusammen parallel komprimiert. Das klebt beide noch mehr zusammen (glue factor) und sorgt für ein homogeneres Klangbild in der Rhythmusgruppe.

New York Kompression für Alle

Hauptsächlich wird der Trick also für die Rhythmusgruppe mit Drums und Bass eingesetzt, kann aber auch an jeder anderen Stelle für klasse Ergebnisse sorgen. Zum Beispiel um Haupt-Vocals und Background-Vocals miteinander zu verschmelzen. Ausprobieren ist wie immer ausdrücklich erwünscht, denn man kann nichts kaputt machen. Denn es ist ja alles parallel und kann damit einfach gemutet werden, wenn´s nicht gefällt:-)

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