Schreibt man irgendwo Abbey Road drauf, klingt es gleich größer und wichtiger, als es vielleicht sein mag. Berühmt geworden ist die Straße mit dem weltbekannten Zebrastreifen sicherlich und hauptsächlich durch die Beatles! Denn diese haben im Londoner EMI-Studio um die 90 % ihrer Musik aufgenommen, ein ganzes Album nach dieser Straße benannt und nebenbei bei ihren kreativen Schaffungsprozessen auch noch die ein oder andere eingefahrene Regel im damaligen Aufnahme-Alltag auf den Kopf gestellt. Ob der Hall -Trick, um den es heute gehen soll, auch aus dieser Zeit stammt, oder vorher schon existierte, kann ich nicht sagen. Dass er aber heute noch aktuell ist auf jeden Fall! Also los geht´s!

Hall in der Abbey Road

Auch in den frühen Recording-Zeiten ohne PlugIns gab es schon unterschiedliche Methoden einen räumlichen Charakter in den Sound zu bekommen. In den Londoner EMI-Studios waren das unter anderem 3 Hall-Platten der deutschen Firma EMT (Elektromeßtechnik Wilhelm Franz)  mit Namen EMT 140. Aber auch ein voll gekachelter Raum mit einem Speaker und einem Mikro, die für räumliche Eindrücke sorgten. Der Speaker gibt z.B. den Gesang wieder und das Mikro den Sound, der in der Kachelbude durch die Reflexionen daraus gemacht wird. Ein echter, künstlicher Raumeffekt, den ich in abgewandelter Form auch hier schon mal gezeigt habe. Witzgerweise bin ich neulich in Berlin in einem Studio gewesen und auch dort war man genau auf diesen Weg der Hallerzeugung bestens vorbereitet, wie dieses Klo-Foto belegt!

Anschlussbuchsen wie in der Abbey Road

Für Hall-Aufnahmen gut vorbereitet – Buchsen im Kachelraum!

Zur Sache Schätzchen

In heutigen Produktionen ist Hall ein muss und nahezu bei jeder Aufnahme aktiv. Sowohl bei den Profis als auch in unseren Heimstudios. Was ist aber jetzt so besonders an dem Abbey Road Hall-Trick? Es ist nicht der Sound der berühmten EMT140-Platten, sondern vor allem die Nachbearbeitung des Halls. Das Prinzip ist, dass man im Effektbus hinter dem Hall einen EQ benutzt, der einen LowCut und einen HighCut-FIlter benutzt. Und die in London benutzten Eckfrequenzen sind 600 hz für den LowCut und 8.000 – 10.000 hz für den HighCut. Um das Ganze nachzubauen, muss man das Wunschsignal also auf einen Effektbus schicken, nach dem Hall einen EQ mit den vorgenannten Frequenzen einstellen und fertig ist der Abbey-Road-Hall-Trick.

Und wozu das Ganze?

Hall ist in Bezug auf seine Frequenzgestaltung ein sehr breitbandiger Effekt. Mit anderen Worten im Hall-Signal ist in der Regel zwischen 20 und 20.000 hz alles vertreten. Damit der Hall uns nicht den kompletten Mix zumatscht, schneidet man mit Low- und HighCut schon mal die störendsten Frequenzen einfach ab. Das hat zudem den positiven Nebeneffekt, dass der Hall sich einfacher und subtiler in den Mix integriert. Man bekommt also eine räumliche Information im Signal, die durch die fehlenden Tiefen und Bässe  aber nie aufdringlich und dadurch deutlich natürlicher wirkt. Quasi zwei Fliegen mit einer Klappe.

Man kann das Ganze bei Vocals zum Beispiel sogar noch weiter treiben und mit dem EQ eine kleine Absenkug im Bereich der Sprachverständlichkeit (zwischen 1.000 und 2.000 hz) hinzufügen. Die Vocals kommen noch ein kleines bisschen klarer rüber, ohne ihren räumlichen Anteil zu verlieren. Sehr praktisch!

Und der berühmte Name?

Ich gebe zu, dieser Trick gehört ins Standard-Repertoire eines Mischers und muss nicht mit diesem großen Namen überhöht werden. Der Name kommt letztendlich auch nur von den oben genannten Frequenzen, die in der Abbey Road als Basis-Einstellung nahezu immer genutzt werden. Also, großer Name für einen kleine Trick, mit – wie ich finde – dennoch großer Wirkung!

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