Die Basis eines jeden guten Songs sind die Komposition und der Text. Hat man diese Komponenten aber erst mal stimmig, geht es daran den Song gut aufzunehmen. Und in diesem Prozess fließt natürlich auch jede Menge kreativer Hirnschmalz in das Arrangement und die Produktion. Ein guter Song sollte nämlich für den Zuhörer nicht nur einfach gut, sondern auch abwechslungsreich und akustisch immer interessant bleiben. Dynamik ist hier unser Stichwort!

In diesem Zusammenhang geht speziell darum, dass unterschiedliche Songteile auch unterschiedliche Energie-Level haben. Wichtigen Stellen brauch mehr Energie  als unwichtigere. Bei einem klassischen Song darf der Refrain immer mehr Energie haben als eine Strophe, denn der Refrain soll den Zuhörer soweit gefangen nehmen, dass er diesen immer wieder hören will. Dazu kann man sich in der Produktion einiger psychologischer Tricks bedienen und damit den Song immer interessant gestalten.

Dynamik für mehr Abwechslung im Song

Dynamik bedeutet dabei aber nicht nur lauter oder leiser zu spielen. Sie soll vor allem auch mehr oder weniger Energie vermitteln. Lautstärke und Energie gehen sicherlich ein Stück weit Hand in Hand. Aber trotzdem muss eine energiereiche Stelle nicht unbedingt auch laut sein und umgekehrt.

Ich habe heute 7 aus meiner Sicht wichtige Tipps zusammengetragen, die Dir auf jeden Fall helfen, dass Dein Song möglichst dynamisch und damit auch für den Hörer abwechslungsreich wird. Denn nichts ist uninteressanter als ein eigentlich guter Song, der zwischen Anfang und Ende nahezu keine dynamische Änderung vollzieht – sei es bei der Lautstärke als auch bei der Energie

1. Mehr oder weniger Instrumente spielen (Einzelstimme vs Einzelstimme plus Chor)

Wenn mehrere Instrumente spielen, dann entsteht immer der Eindruck von deutlich mehr Energie im Song. Auch sorgen mehr Instrumente und Stimmen für ein dichteres und damit intensiveres Klangbild! Willst Du also mehr Energie im Song haben, kannst Du noch en paar Instrumente oder Stimmen addieren. Vor allem im letzten Refrain gilt das Motto „alles rein“, damit der so richtig knallt und beim Zuhörer den Wunsch weckt, den Song gleich noch mal hören zu müssen – eine Grundvoraussetzung für einen Hit!

2. Eher Mono in den Strophen, eher Stereo in den Refrains

Man kann Abwechslung auch durch die Veränderung des Stereo-Feldes im Mix vornehmen. Ein breiter Stereo-Mix wirkt immer größer, als eine etwas enger (oder sogar Mono) gehaltene Strophe. Variiere zwischen Strophe und Refrain das StereoFeld und Du bekommst automatisch mehr Bewegung und Dynamik in den Song. Hierzu kannst Du dich zweier Möglichkeiten bedienen.

Zum einen kannst Du deine Instrumente im Refrain mehr und in der Strophe / Bridge  weniger weit nach außen pannen. Zum anderen kannst Du aber auch mit einem PlugIn die Stereo-Breite automatisieren. Du kannst die Stereobreite zum Beispiel zwischen 70 % in der Strophe und 100 – 105 % im Refrain variieren. Das geht mit PlugIns wie dem mitgelieferten „Direction Mixer“ (Logic ProX), dem „Binaural Pan“ (Presonus Studio One) oder auch dem kostenlosen BX_Solo von der PlugIn-Alliance (klickst Du hier: https://www.plugin-alliance.com/en/products/bx_solo.html ). In diesem Artikel (einfach hier klicken) habe ich auch schon mal gezeigt, wie man das Stereo-Panorama bei modernen Rocksongs flexibel gestalten und nutzen kann!

Eine normale Panorama-Verteilung für den interessanten Song

Mithilfe dynamischer Verteilung im Panorama den Song interessant gestalten

3. Stakkato in den Strophen, Legato in den Refrains

Die Spielweise der Instrumente kann auch die Wirkung eines Song-Teils beeinflussen. Spielst Du zum Beispiel in der Strophe eher Stakkato, erzielst Du im Refrain einen schönen, wohligen Moment, wenn dort dann eher getragen und Legato gespielt wird. Der Zuhörer bekommt den Eindruck nach dem stressigeren Stakkato-Spiel im Legato-Refrain entspannt in den Arm genommen zu werden. Die Sehnsucht nach einem weiteren Refrain wird dann dadurch verstärkt, dass in der folgenden Strophe wieder Stakkato gespielt wird und der Zuhörer sich schon nach dem nächsten Refrain unterbewusst seht. Diese Sehsucht wird dann auch erfüllt und verstärkt die Bindung des Zuhörers an den Refrain!

4. Dunkler in den Strophen, heller in den Refrains (tiefere tonale Lage vs. zusätzliche höhere Lagen)

Eine weitere Möglichkeit, Kontrast und unterschiedliche Energie-Level zwischen zwei Parts zu generieren, ist die Lage, in der die Instrumente und Stimmen spielen bzw. singen. Song-Teile mit mehr Hochton-Anteil wirken wichtiger und energetischer als tiefer angelegte dunklere Parts. Dies kann man sich zu Nutze machen und in den Strophen hauptsächlich im unteren Register spielen (Bass, Gitarren, Synthies, Vocals). Im Refrain kann man die Instrumente dann ein/zwei Oktaven höher spielen lassen, höher spielende Instrumente addieren oder auch eine Oktave höher singen!

5. Mehr Energie durch stressige Elemente wie Percusssionis, Claps, gegenläufige Chöre, etc.

Je mehr los ist, um so mehr Energie wird wahrgenommen. Und die Steigerung von Tipp Nr 1 ist, nicht nur mehr Instrumente zu addieren, sondern z.B. mit vielfältigen Percussions dafür zu sorgen, dass es an allen Ecken und enden raschelt, zisselt und sich bewegt. Dazu kann man im Refrain ein paar Percussionloops, Shaker, Tamburine, Handclaps etc. ergänzen. Damit sorgt man für unglaublich viel Bewegung und Energie. Lässt man diese Sachen in der Strophe weg und/oder ergänzt sie Stück für Stück, hat man schon seinen passenden Kontrast erzeugt!

6. Kill your darlings

Ich weiß, es tut weh, denn man denkt sich ja so viele schöne Kleinigkeiten, Licks, Einwürfe, Melodien und sonstiges im Laufe des Schaffungsprozesses aus. Und die sollen natürlich auch alle von Anfang an gehört werden. Das Problem ist nur, dass Du später nichts mehr hinzufügen kannst, wenn am Anfang schon alles gleichzeitig spielt. Daher gilt beim Aufbau des Arrangements gerade am Anfang des Song: Kill your darlings und füge sie lieber später Stück für Stück hinzu. Dadurch steigerst Du Deinen Song kontinuierlich und kannst den Zuhörer immer wieder mit einem neuen kleinen Element begeistern.

7. Lauter oder leiser spielen

Die Mutter aller Dynamik-Tools. Wenn etwas mehr Energie haben soll, darf es auch lauter sein. Wenn es weniger Energie haben soll, eben entsprechend leiser. Einfach, aber effektiv! Du kennst das auch bestimmt von vielen Live-Bands, die nicht die Möglichkeiten moderner DAWs haben. Diese spielen dann entsprechend zurückhaltender in den Strophen, um erst im Refrain tatsächlich alles zu geben. Das gleiche Prinzip gilt auch für Musikproduktionen und ist so selbstverständlich wie wichtig!

Du bist gefragt

Mit diesen 7 Tipps solltest Du ein gutes Rüstzeug zur Gestaltung interessanter und abwechslungsreicher Songs haben. Hast Du auch noch ein paar Methoden und Hilfsmittel, mit denen Du Deine Songs interessant und hörenswert gestaltest,? Dann schreib sie uns gerne in die Kommentare. So können wir auf Basis dieses Artikels eine kleine Bibliothek an Methoden zusammenstellen, mit denen man in Produktion und Arrangement mehr Dynamik und Abwechslung in die eigene Songs zaubern kann.

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