Nachdem wir uns in der letzten Woche hauptsächlich mit dem Geschehen rund um das Mikrofon bei Gesangsaufnahmen gekümmert haben, soll heute der technische Aspekt der Aufnahmen im Fokus stehen. Was gibt es zu beachten, welch Werte solltest Du wählen und welche Hilfsmittel und Features ebnen Dir den Weg zur perfekten Aufnahme von Gesang oder Rap.

1. Mit 24 Bit aufnehmen

Für die technische Qualität Deiner Aufnahme kannst Du zwei Parameter beeinflussen: Samplerate und Bit-Tiefe. Während die Samplerate einstellt, wie oft der Analog-Digital-Wandler (ADC) Dein Signal pro Sekunde abtastet (empfohlenes Minimum 44,1 kHz),  regelt die BIT-Tiefe, mit welcher Auflösung oder besser gesagt mit welchem Dynamik-Umfang das Signal abgebildet wird. Aufnahmen mit 16 Bit haben einen Dynamikumfang von 96 db, Aufnahme mit 24 Bit schon 144 db.

Der Vorteil der höheren Auflösung ist, dass man mit deutlich geringeren Pegeln aufnehmen kann, ohne sich unschöne Störgeräusche einzuhandeln. Musste man bei 16 Bit-Aufnahmen noch möglichst nah an 0 db ranpegeln, um den Abstand zwischen Wandlerrauschen und Nutzsignal so groß wie möglich zu halten, ist dies bei 24 Bit-Aufnahmen nicht mehr nötig. Die Details dazu habe ich bei Interesse hier schon mal genauer behandelt. 

Mehr Dynamik und weniger Nebengeräusche: Aufnahmen mit 24 Bit

Mehr Dynamik und weniger Nebengeräusche: Aufnahmen mit 24 Bit

Für Dich wichtig zu wissen ist, Folgendes: Nimmst Du mit 24 Bit auf, musst Du nicht so heiß (oder laut) wie möglich aufnehmen und riskieren, dass Du die 0 db aus Versehen übertriffst und damit die Aufnahme mit Übersteuerungen ruinierst. Aufnahmen mit 24 Bit kann man ohne nachteilige Effekte niedriger und damit überstuerungssicherer vornehmen. Zum Pegel mehr im nächsten Punkt.

2. Sicher und sauber Einpegeln

Wie hoch sollte man den Pegel aber Jett einstellen? Nimmst Du mit 24 Bit auf, kannst Du den PreAmp so einstellen, dass die lautesten Stellen Deines Gesangs- oder RAP-Talents im Bereich -12 db bis – 9 db landen. So gehst Du sicher, dass keine versehentlichen Pegelspitzen das Signal übersteuern. Du kannst den Eingangspegel in der DAW überprüfen, während das Talent am Mikro steht und sich vorbereitet oder warmsingt.

Beachte aber den Sicheheitspuffer, denn kein Talent haut beim Einpegeln schon alles raus. Die Performance mit viel Adrenalin ist immer lauter als ein Test. Daher bleib im oben genannten Fenster und Du solltest auf der sicheren Seite sein.

3. Nicht die letzten 25 % Regelweg am PreAmp

Gerade günstige Mikrofon-Vorverstärker (PreAmps) oder die PreAmps in USB-Audio-Interfaces neigen dazu, auf den letzten 25 % Regelweg nicht nur lauter zu machen, sondern auch unverhältnismäßig viel Rauchen hinzuzufügen. Das ist sowohl dem begrenzten Strom geschuldet, der durch eine USB-Leitung muss (USB2 mit max 500 mA), aber auch der Qualität der PreAmps, die in einem günstigen Interface natürlich nicht die Qualität eines einzelnen NEVE-Kanalzugs für 2.000 Euro haben können.

Vermeide also beim Einpegeln den Knopf zu weit aufzudrehen. Bekommst Du das Mikro dann beim Kopfhörermix für das Talent im Verhältnis zum Playback nicht laut genug, Regel das Playback runter, um den Gesang lauter als das Playback zu halten. Wird der Kopfhörer-Mix dabei insgesamt zu leise, empfiehlt sich ein separater Kopfhörerverstärker oder Tipp 4.

4. FetHead für besseren Mikro-Pegel

Hat Dein Mikrofon zu wenig Ausgangspegel, Du möchtest den PreAmp aber nicht weiter aufreißen als nötig, dann empfiehlt sich ein kleiner Mikro-Booster zwischen Mikrofon und PreAmp. Zum Beispiel der FetHead von Triton Audio wird einfach zwischen Mikro und PreAmp geschaltet, mit Phantomspeisung versorgt und hebt den Mikro-Pegel sehr angenehm und nebengeräuscharm und satte 27 db an. Empfehlenswert für dynamische, Bändchen, aber auch ältere Kondensator-Mikrofone. Der FetHead kostet zum Beispiel hier beim Musicstore Köln knapp 80 Euro.

5. Splitter als Pegel-Backup

Bist Du Dir nicht sicher, welcher Pegel der Richtige ist oder singt Dein Talent sehr dynamisch, kannst Du Dein Mikrofon-Signal auch in zwei separate Signale aufsplittern. Mit einem Splitter wie dem Radial MS2 PRO machst Du aus einem Mikro zwei und kannst damit das eine Signal etwas heißer aufnehmen, parallel dazu das andere etwas konservativer und weniger laut eingependelt.

Splitter als Backup bei der Aufnahme von Vocals

Splitter als Backup bei der Aufnahme von Vocals und Rap

Der Vorteil dieser zwei Signale ist, dass Du nun – sollte das Talent übers Ziel hinausschießen und das Signal beim Einsingen übersteuern  eine Backup-Spur hast, die auf jeden Fall eine saubere, wenn auch leisere Aufnahme beherbergt. Der Splitter ist also für ganz vorsichtige, oder Leute, die generell lieber etwas näher am 0db-Limit aufnehmen, aber trotzdem keine Übersteuerungen riskieren wollen.

6. Pre Fader Metering

Kontrollierst Du Deine Aufnahmen auch immer noch mal mit dem Level-Meter im Kanalzug Deiner DAW. Wenn’s dort ins rote flippt, bist Du über das Ziel hinausgeschossen, oder? Stimmt – fast. Denn wenn Dein Levelmeter im Kanalzug auf Post-Fader eingestellt ist, zeigt er immer den Signal-Pegel hinter dem Volume-Regler (Fader) an. Ist dieser versehentlich etwas leiser eingestellt, kannst Du nicht mehr erkennen, ob das Signal wirklich übersteuert ist.

Pre Fader Metering für verlässliche Pegel-Anzeigen

Pre Fader Metering für verlässliche Pegel-Anzeigen

Hilfreich ist hier die Einstellung “Pre Fader Metering”. Sie stellt sicher, dass der Signal-Pegel immer vor dem Fader gemessen wird. Nun kannst Du unabhängig von der Fader-Einstellung schnell und optisch beurteilen, ob dein Signal übersteuert oder nicht. Wenn Du mehr über Pre Fader Metering wissen möchtest kannst Du hier weiterlesen. Und falls Du nicht weißt, wo Du das bei Deiner DAW einstellen muss, such einfach in der Hilfe (Taste F1) nach Pre Fader Metering.

7. Direct Monitoring

Um einen möglichst unverfälschten Mikrofon-Sound im Kopfhörer des Talents zu ermöglichen, bietet sich die Funktion “Direct Monitoring” in Deinem Audio-Interface an. Vorausgesetzt es hat diese Funktion. Denn sie stellt sicher, dass das Signal des Talents nicht erst den Weg durch den Rechner, die DAW und zurück zum Kopfhörer nehmen muss, sondern direkt aus dem Mikrofon-Preamp an den Kopfhörerverstärker des Talents geleitet wird. Der Grund ist schnell ersichtlich. Das Signal benötigt auf seinem Weg durch den Rechner und zurück in der Regel zwischen 5 und 20 ms. Das kombiniert mit der eigenen Stimme ergibt einen unangenehmen, phasigen Klangeindruck im Kopfhörer, der nicht direkt ein Wohlfühlen-Feeling beim Einsingen bietet.

Besser ist also der direkte Mikrofon-Sound, und den kann man per Direct-Monitoring aktivieren. Er klingt direkter, besser und ermöglich zudem ein genaueres Timing, was beim RAP durchaus relevanter sein kann als beim Gesang. Hast Du noch kein Audiointerface oder USB-Mikrofon, dann achte darauf, dass die Funktion Direct Monitoring zum Funktionsumfang gehört.

8. Perfektes Monitoring mit PlugIns

Noch besseren Gesangssound und damit den Luxus-Gesangsmonitor für die Aufnahme bekommt man mit höhenwertigen Interfaces, wie zum Beispiel den Universal Audio Apollo und Arrow-Interfaces. Hier kann man eine gesamte Vocal-Kette an Plugins aktivieren und damit einen perfekten Monitor-Sound ermöglichen, ohne die in Punkt 7 genannte lästige Latenz und ihre akustischen Nachteile.

PlugIns direkt beim Aufnehmen latenzfrei einbinden

PlugIns direkt beim Aufnehmen latenzfrei einbinden

Der Vorteil dieser Lösung ist neben einem super Gesangssound für das Talent auch, dass man dennoch das unbearbeitete Signal aufnehmen kann. Quasi das beste aus zwei Welten:Stark bearbeiteter, komprimierter und lauter Sound im Kopfhörer, unbearbeiteter und klarer Sound in der DAW für den späteren Mix.

9. EQ und Kompressor bei der Aufnahme

Natürlich gibt es bei der Aufnahme mit externen PreAmps genau wie mit der Apolo-Lösung aus Punkt 8 auch die Möglichkeit, schon bei der Aufnahme das Signal mit EQ und Kompressor zu bearbeitet. Solltest Du Dich dabei aber nicht so sicher fühlen und nicht riskieren wollen, das Signal bei der Aufnahme schon zu ruinieren, empfehle ich Dir EQ und Kompressor bei der Aufnahme so lange auszulassen, solange Du nicht absolut sicher bist, dass dies auch der Sound ist, mit dem Du später weiterarbeiten willst.

Als Backup könntest Du natürlich wieder mit dem Splitter arbeiten und das Mikrosognal einmal auf den Preamp und einmal direkt in die DAW leitet, wo es sicherheitshalber unbearbeitet aufgenommen werden kann.

10. Comping für den perfekten Take

Nicht jede Aufnahme gelingt auf Anhieb, nicht jede Aufnahme ist Gleichmut aber meistens kann man aus verschiedenen Aufnahmen einen perfekten Take zusammenstellen. Um das möglichst einfach zu machen, bietet heutige DAWs die Funktion des Comping an. Verkürzt gesagt nimmt man beim Comping eine Stelle im Song (z.B. den Refrain) immer und immer wieder im Loop (in einer Schleife auf) und die DAW ordnet diese einzelnen Aufnahmen direkt untereinander an. Nach der Aufnahme kann man in jedem Take den besten Teil markieren und sich so den perfekten Take zusammenstellen. Auch hierzu habe ich schon al ausführlicher geschrieben, wie es geht und das findest Du hier!

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