Es gibt die verschiedensten Methoden Overheads bei einem richtigen Schlagzeug aufzunehmen. Am naheliegendsten ist das A-B-Verfahren, bei dem zwei Mikros (meist Kleinmembran-Kondensator-Mikros) jeweils von oben auf die linke und die rechte Seite des Sets schauen und so das Stereobild des Schlagzeugs sehr überzeugend abbilden. Allerdings wirkt der Stereo-Eindruck manchmal ein wenig zu aufdringlich.

Dem kann man begegnen, indem man die selben Mikros mittig oberhalb die Bassdrum aufbaut und die beiden so ausrichtet, dass sie entgegengesetzt auf die linke bzw. rechte Seite des Sets „schauen“. Der Stereo-Eindruck wirkt konsistenter, ist aber nicht mehr ganz so beeindruckend und breit wie beim A-B-Verfahren.

Acht, Kugel, oder wie? Oder was?

Man kann aber auch mit einer anderen Konstruktion aufnehmen, und zwar im M/S-Verfahren. Zu diesem Zweck baut man genau wie beim X/Y-Verfahren zwei Mikros mittig oberhalb vom Schlagzeug auf. Allerdings nimmt man dieses mal zwei Großmembran-Kondensator-Mikros (wahlweise Bändchen), wobei wichtig ist, dass eines eine Kugel-Charakteristik und das andere eine Achter-Charakteristik aufweist.

Die Kapsel des Kugelmikros „schaut“ dabei auf die Drums herunter, und zwar genau mittig über der Bassdrum über der Fußmaschine. Das Achter-Mikro sollte nun oberhalb der Kugel so nah und so sauber ausgerichtet wie möglich aufgebaut werden, wobei die Kapsel nicht nach unten, sondern nach links und rechts „schaut“.

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Mitte/Seite oder Summe/Differenz?

Diese beiden Signale nimmt man nun auf und muss sie anschließend nur noch in der DAW zusammenführen und zu einem Stereo-Signal dekodieren. Aber wie geht das? Ganz einfach: Das Kugel-Mikro liefert das Summen- oder Mitten-Signal – voll Mono und damit natürlich zu 100% Monokompatibel. Für den Stereo-Anteil kommt das Seiten- (oder Differenz)-Signal zum Einsatz, wobei nun die Eigenheit des Achter-Mikrofons zum tragen kommt.

Denn dadurch, dass das Achter-Mikro ähnlich gerichtet wie eine Kugel, aber eben nicht nur zu einer, sondern zu beiden Seiten lauscht, nimmt es das vordere bzw. hintere Signal jeweils phasengedreht auf. Für den linken nd den rechten Kanal wird jetzt durch Subtraktion bzw. Addition der beiden Signale der Unterschied (englisch Difference) vonlinkem und rechtem Kanal errechnet. So erhält man also aus zwei Mono-Signalen dann doch eine Stereo-Information. Für die Matrix, die beide Signale in Stereo umwandeln soll, ergibt sich dann folgende Rechnung:

Linker Kanal = Kugelmikro + Achtermikro    und    Rechter Kanal = Kugelmikro – Achtermikro

Klingt komplizierter, als es ist, denn in aktuellen DAWs gibt es in der Regel ein Plugin, dass die Aufgabe der Matrix übernimmt (Gain-Plugin in Logic Pro X, Mixtool in Studio One 3). Man muss also nur Kugel- und Achter-Mikro an einen Bus senden, vorher nach links (Mitte/Kugel) und rechts (Seite/Acht) pannen und im Bus das Plugin laden, welches die Aufgabe der Matrix übernimmt.

Und wozu das ganze Heckmeck?

Zugegeben, rein theoretisch ist es schon sehr aufwendig, in der Handhabung aber nicht komplizierter als A-B oder X-Y-Verfahren. Der Vorteil ist aber, dass man ein absolut mono-kompatibeles Drum-Abbild bekommt, welches auch auf dem Handy oder im Supermarkt kein einziges Detail verliert. Und mit dem Regler des Achter-Mikros (Seite-Signal) kann man ganz leicht die Stereo-Breite der Overheads steuern, einfach indem man dem Bus mehr oder weniger Seiten-Signal zuführt.

Man nimmt allerdings – dass soll nicht unerwähnt bleiben – auch mehr vom Raum auf, was die Drums zwar natürlicher klingen lassen kann, sollte der Raum aber furchtbar scheppern, sind andere Aufnahmeverfahren vielleicht doch die bessere Wahl.

Man ist übrigens mit dem M/S-Verfahren nicht auf Drums beschränkt, auch Chöre lassen sich so wunderbar aufnehmen – und das nur mit zwei Mikrofonen! Intensives Ausprobieren ist also ausdrücklich erwünscht 🙂

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